Vor zehn Jahren


für das Intro besprochen:

 

Sunn O)))

„White1“

(Southern Lord/Efa)

 

Boris

„Amplifier Worship“

(Southern Lord/Efa)

 

Melvins

„26 Songs“

(Ipecac/Efa)

 

Natürlich kann man – ander als Werner Enke vermutet – nicht langsamer schlafen, um Zeit zu gewinnen. Aber das Bewusstsein von Zeit lässt sich verändern. Verlangsamt man Rhythmus als Zeitmesser aufs Äußerste, scheint sie langsamer zu vergehen. Ein Film verändert sich nicht nur grdauell, spielt man ihn in deutlich verringerter Geschwindigkeit ab. Einzelbilder werden sichtbar. Der tatsächliche Rhythmus erliegt. Im Ergebnis verändert sich das Gefühl für Zeit, die sich zu verbiegen scheint. So funktionieren Sunn O))). Sie bringen Rock fast zum Stillstand und bringen ihn so um sein Rocken. Sound wird in seiner Textur hörbar, beginnt, sich mählich in- und gegeneinander zu verschieben, zu morphen. Ein körperliches Ereignis, bei dem eine gewisse Lautstärke unabdinglich ist. Laut Greg Anderson, seines Zeichens eine Hälfte von Sunn O))), verbringen Besucher ihrer Konzerte die Show oft auf dem Boden liegend. Mehr Frequenz, mehr Wirkung. Anderson hat außerdem Recht, wenn er sagt, SunnO))) seien im Grunde eine Jazz-Band. Der meditative Charakter ihrer Drones – zum Glück ganz ohne metaphysischen Überbau, ganz materialistisch über Vibrationen funktionierend – schafft in kollektiver Improvisation – hier unter Beteiligung von Joe Preston (Ex-Earth, Ex-Melvins, Thrones), Julian Cope und anderen – Moment größter Intensität.

Das traf in etwa auch auf „Absolutego“ des japanischen Trios Boris zu, das sich indes auf dem Nachfolger „Amplifier Worship“ (in Japan bereits 1998 erschienen) weit zugänglicher gibt und auf Albumlänge fünf Stücke von zwischen sieben und siebzehn Minuten Länge schafft. Für Genre-Verhältnisse ist es denn auch ein höchst abwechslungsreiches Werk hinsichtlich verschiedener Geschwindigkeiten und  Stimmungen. Weniger die Meditation als eine gut gelaunte Doom-Party zum Zeitlupenschwof.

Schon immer anders als die anderen Kinder waren die Melvins, einst mit Joe Preston und „Lysol“ ganz vorn dabei bei der Entschleunigung der Rockmusik. In ihren Anfangstagen operierten sie in deutlich schnelleren Tempi, wie auf „26 Songs“ jetzt wieder nachzuhören ist. Ihr je nach Zählung erstes Album „10 Songs“ wurde von Ipecac neu aufgelegt wurde, inklusiver Liner Notes und einem Schwung Demos, nämlich genau 16, auf dass aus „10 Songs“ „26 Songs“ werden konnte(n). Das Bonus-Material ist nicht unbedingt unverzichtbar, aber unterm Strich werden Melvins-Afficionados hieran kaum vorbeikommen. Damals wurde der Grundstein gelegt für das, was die Melvins einst werden sollten: die beste Rockband der Welt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s