Eine der Größten


… ist ja für mich Carla Bozulich, die vor fünf Jahren ein grandioses Album namens „Hello, Voyager“ veröffentlichte, das ich damals u.a. in der NOTES (R.I.P.) besprach:

EVANGELISTA – Hello, Voyager

(Constellation / Alive)

Carla Bozulichs letztes Album hieß „Evangelista“ – daraus wurde nun eine Band. Auch wenn Bozulich hörbar im Zentrum des Geschehens steht, hat das etwas für sich. Denn diese Band, die sich unter anderem aus Musikern von Silver Mt. Zion zusammensetzt, setzt die Songs der Sängerin grandios in Szene. Bozulichs Thema ist Liebe, nicht allein die zwischen zwei Menschen. Sondern als allgemeines Prinzip. Bei Ansicht der Welt liegt auf der Hand, dass solch Idealismus regelmäßig enttäuscht wird, was eine schmerzhafte Erfahrung ist. Diesen Schmerz drückt Bozulichs Musik mit großer Intensität aus, während sie sich zugleich reicher entfaltet als auf dem Vorgängeralbum: Da ist mit „The Blue Room“ eines jener fragilen, ergreifenden Lieder, wie sie Bozulich schon mit Scarnella spielte, gefolgt von „Truth Is Dark Like Outer Space“, dem Rockigsten, was wir von ihr seit Ende der Geraldine Fibbers hören durften. Und es gibt düster funkelnden Predigten wie das Titelstück, in dem sie über einem brodelnden Hexenkessel ihre Dämonen beschwört, mit jener faszinierenden tiefen Stimme, die verletzt und schneidend klingen kann, aber auch zärtlich und sinnlich. Das ist große Rockmusik.