Bald ist es wieder soweit


Das Hurricane steht vor der Tür. Vor zehn Jahren war ich da immer noch dabei. Und berichtete in der taz Bremen vom 26.6.2001

Wettbewerb um den fittesten Punk-Gevatter

Gitarrenlastigkeit, zu dichte Bühnen und zu Fall gekommene Dixi-Klos: Das Scheeßeler „Hurricane“ erfüllte wieder die üblichen Festival-Spezifika – und war besser als letztes Jahr

In der Tat war im letzten Jahr das Programm des Hurricane-Festivals wie das Wetter eher unattraktiv, weshalb sich deutlich weniger Leute dort herumtrieben. Das muss nicht unangenehm sein, vor allem angesichts der sanitären Einrichtungen, die bei derlei Veranstaltungen nicht selten grenzwertig sind. Die kleinen Häuschen mit dem lustigen Namen Dixi laden auch im sauberen Zustand nicht eben zum Verweilen ein. Wenn sie von FestivalbesucherInnen bestürmt werden, noch viel weniger, zumal sie auch Einblicke in die Ernährungsweise gestatten, die man auch ohne Betrachtung der ungesunden Farben der Festival-Saison hätte gewinnen können. Um nichts geht es weniger als um gutes Essen und erholsames Schlafen in lauschigem Ambiente. Und sogar mit dem Musikhören ist das so eine Sache. „Drei Bands auf einem Festival zu sehn ist schon die obere Schmerzgrenze“, meinte ein Besucher zum Thema. Und er dürfte nicht der einzige gewesen sein, dem anderes als die Bands zur Priorität gerieten. Dabei gab es natürlich auch in diesem Jahr eine ganze Reihe guter Gründe, wegen der Musik nach Scheeßel zu fahren. Nicht wenige hielten die Toten Hosen für einen, die sich, nachdem sie dem unlängst gestorbenen Joey Ramone mit dem „Blitzkrieg Bop“ Tribut gezollt hatten, am Samstag Abend durch ihr an Hits nicht eben armes Programm spielten, während Campino im Wettbewerb um den fittesten Punk-Gevatter schonmal Punkte gegen Iggy Pop sammelte. Außerdem gab er sich weit leutseliger als jener, wurde nicht müde, an den Gemeinschaftssinn zu appellieren. Die Leute sollten aufeinander aufpassen und immer die von der Bühne gereichten Getränkespenden nach einem Schluck weitergeben. „Zieht das Ding zusammen durch, dann wird das auch was“, lautete Campinos Parole. Neben den Hosen und dem erwähnten Iggy Pop, der sich über TV- und Video-Stars echauffierte – obwohl er selbst umherstolzierte wie ein Pfau und seine großen Hits von einer mittelmäßigen Band runterrocken ließ – gab es auch die phantastischen Fantômas zu bestaunen, die ihr aberwitziges Mosaik aus Japan-Noise, Filmmusik, Grindcore und Slayer-Riffs abfackelten. Oder die Weakerthans, die auf der Zeltbühne eine bezaubernd intime Musizierstunde einlegten. Oder die Queens Of The Stone Age, die nonchalant wüsten Rock mit Improvsationsanteilen und einem nackichten Nick Oliveri am Bass kredenzten. Oder die lange vermissten Weezer mit ihren makellosen Pop-Songs, die nach Angaben von Gitarrist Brian nur verbergen sollen, was für durchgedrehte Typen sie eigentlich seien. Oder Tool, ebenfalls nach langer Zeit mit neuer Platte zurück, die ihre komplizierte Rockmusik in eindringlicher Manier vorführten. Oder die Fünf Sterne Deluxe und Jan Delay, die im sonst sehr gitarrenlastigen Programm äußerst unterhaltsame Akzente in HipHop bzw. Reggae setzten. Und als am Sonntag um die Mittagszeit Jimmy Eat World spielten, die Sonne endgültig gewonnen hatte, das erste Bier und die erste Zigarette den verkaterten Körper wieder an seine temporäre Bestimmung zum Objekt von unvernünftigem Spaß erinnerte, war der Geruch zu Fall gekommener Dixi-Klos ebenso vergessen, wie die Zeltnachbarn, die nächtens „Bommerlunder“ sangen und morgens mit „Hoch auf dem gelben Wagen“ einen adäquaten Einstieg fanden. Trotz einiger bedauerlicher Absagen, wie der von J Mascis & The Fog oder Everlast war das Hurricane 2001 eine gelungene Sache mit den Eingangs erwähnten, wohl fast unvermeidlichen Mängeln sowie dem Hurricane-eigenen Manko, dass die beiden Bühnen so dicht beieinander liegen, dass sich bei den Überschneidungen im Programm nicht selten auch Überschneidungen im Klang ergeben, wie zum Beispel beim Auftritt von Fantômas in den leisen Passagen bereits die satten Gitarren von Weezer zu hören waren.

Thing is…


i’ll be on vacation between June 15 and July 5. I might see Carla Bozulich next week. I hope i get to see the Meat Puppets as well. But just let me say this: Check out Carla Bozulich. Here’s some review i wrote five years ago:

CARLA BOZULICH – ‚Evangelista‘

Eigentlich ließe sie sich gut im Olymp großer Rock-Frauen vorstellen, neben PJ Harvey, Patti Smith und Lydia Lunch. Deren Erfolg hatte sie bislang zwar nicht, aber auf den soll es uns nicht ankommen. Ihr so umfangreiches wie verstreutes Werk umfasst Alben ihrer Bands Ethyl Meatplow und Geraldine Fibbers, eine Reihe Auftritte auf Mike Watts „Ballhog Or Tugboat“, ein wunderbares gemeinsames Projekt mit Teufelsgitarrist Nels Cline (Scarnella), die Neuinszenierung des Willie-Nelson-Albums „Red Headed Stranger“ und noch einiges mehr an nicht selten recht randständigen Resultaten. Ein Wille zum Stil als solchem lässt sich daran weniger festmachen als das Streben nach einer möglichst unmittelbar berührenden Musik. Nach der formalen Schlichtheit von „Red Headed Stranger“ nahm Bozulich „Evangelista“ in Montreal mit Musikern von u.a. A Silver Mt. Zion, Godspeed You! Black Emperor, Black Ox Orkestar auf, darunter ihre alte Fibbers-Kollegin Jessica Moss: ein Album mit eher offenen Formen, die auch bei großer Besetzung und angesichts Velvet-Underground-gemäßem Lärmen noch schmerzhaft intim wirken, was vor allem mit Bozulichs vokaler Präsenz zu tun hat, die hier noch verletztlicher und verletzter, gebrochener klingt als sonst schon. Besonders schön kommt das in Bozulichs Version von „Pissing“ (Low) zum Tragen. Darüber könnte man sich dieses dunkle, intensive Stück Musik erschließen. So man nicht ohnehin dieser Stimme schon verfallen ist.

And you can check her out here:

http://www.youtube.com/watch?v=7ix_jUfkMoc&feature=related