Vor zehn Jahren


… schrieb ich im Intro über diese vergessene Band:

Grand Ulena

„Gateway To Dignity“

(Family Vineyard / Cargo)

Es muss eine legendäre Nacht gewesen sein, zumindest denkwürdig für Fans der Headliner, als Grand Ulena letzten Herbst für Wilco eröffneten, die ich wiederum noch mehr geliebt hätte, hätten sie dieses Vorprogramm auch auf ihrer letzten Deutschland-Tour dabeigehabt: Metamathemetalrock von enormer Dichte, den wohl nur Leute spielen können, die mal bei den Dazzling Killmen waren, wie deren Ex-Bassist Darin Gray, der nach Jahren im Proberaum mit Danny McClain (Schlagzeug) und Chris Trull (Gitarre) hier sein neues Baby präsentiert. Ex-Dazzling-Killmen regiert ohnehin okay, denken wir an Laddio Bolocko, Colossamite und Sicbay. Grand Ulena sind zumindest hinsichtlich der Komplexität die würdigsten Erben. Nach einem kurzen Geplänkel, bei dem wir an Don Caballero denken dürfen, beginnt die Achterbahn. In sieben Stücken zwischen einer Minute und deren zehn breitet das Trio Unmengen von Kompositionspartikeln und -techniken aus, verwirbelt, zerlegt, beschleunigt und zerdehnt sie. Beats haben hier fast nichts mit Groove zu tun, selten verfallen Grand Ulena in kurze Phasen der Wiederholung (Unvorhersehbarkeit würde sonst schließlich zur self-denying-prophecy), bevor der Irrsinn weitergeht. Permanente Spannung. Ein Druck dort noch, wo scheinbar nichts passiert. Diese Platte rockt. Bei allen Freiheiten, die sie sich nimmt. Und natürlich genau jener wegen. In diesem Sinne so dermaßen unzeitgemäß modern, dass es kaum zum Aushalten ist. Musik-Musik, sozusagen.

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