Vor 15 Jahren


…schrieb ich für die taz bremen eine Ankündigung für ein Konzert mit U.S. Maple und Buckethead:

taz Bremen 14.3.1998

Zukunft der Gitarre

 Heute abend: US Maple und Buckethead

Maßgebliche Szenepäpste haben vor einer Weile die Rockmusik mal wieder für tot erklärt. Was jetzt noch mit Gitarren angestellt wird, sei entweder Anachronismus oder konsequenterweise Post-Rock. Letzterer ist eher eine erwachsene Angelegenheit und verzichtet für gewöhnlich auf die Arschtritte, die der stinkende alte Bock Rock auszuteilen beliebte. Die einzige dem Rock verwandte Musik, die sich auch in Hipsterohren schroff und unverstaubt anhört, wird in Chicago vom Skin Graft-Label verwaltet und betreut. Hier veröffentlich(t)en unter dem verschmitzten Gattungsbegriff Now Wave (!) Bands wie die Ruins, der Jesus Lizard-Jazz-Ableger Denison Kimball Trio, die vor kurzem in Bremen zu bewundernden Flying Luttenbachers und US Maple. Bands, die mit eher konventionellem Rock-Instrumentarium eine Musik spielen, die von Jazz ebensoviel weiß wie von noisiger Avantgarde.

US Maple sind dabei eine der avanciertesten Bands auf Skin Graft. Den von Label-Chef Mark Fischer formulierten Anspruch, Now Wave solle „den Leuten wieder Energie geben. Ohne Regeln“, erfüllen sie durch fragmentarische Kompositionen, die nur selten in so etwas wie einen Song umschlagen. Die Ahnung, das genau das im nächsten Moment passieren könnte, enttäuschen sie oft, aber eben nicht immer, und das verleiht ihren Auftritten Spannung. Ihre musikalische Virtuosität bleibt unaufdringlich und wird zudem durch das exaltierte Bühnengebaren des US Maple-Sängers Al Johnson in den Hintergrund gedrängt.

Buckethead lassen es da klassizistischer angehen. Mit einem Musikverständnis, das sich zu einem großen Teil aus dem Katalog des legendären SST-Labels speist, gehen sie einen unspektakuläreren Weg. Früher gab es mal die Vokabel Jazz-Core dafür, die nach einer Weile für alles stand, was Hardcore mit krummen Takten war und nicht selten in handwerkliche Inkontinenz mündete. Buckethead wissen hingegen ziemlich gut, was sie tun. Sie können viel und kennen viel, haben aber genug ironische Distanz zum eigenen Tun, um sich nicht in Gefilde der Artistik und des Ackordgeklingels zu verirren. Falls das noch nicht verstanden ist: Dies ist eine ausdrückliche Aufforderung zum Konzertbesuch!

Anmerkung: Die Akkord-Fehlschreibung unterlief der Redaktion damals gelegentlich

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