Vor zehn Jahren


Für den Januar-BREMER wählte ich folgende Alben aus:

notwist /neon golden

city slang /labels /virgin

Auf „Shrink“ gelang Notwist vor einigen Jahren mit der überraschenden Verbindung aus Pop, Elektronik und Jazz ein großer Wurf. Mit „Neon Golden“ haben sie nun hoch gesteckte Erwartungen locker befriedigt und sogar übertroffen. Das fünfte Notwist-Album zeigt die Band als sich ständig entwickelndes Projekt, das sich mit jedem Schritt neue Möglichkeiten erschließt und dabei jedes Mal eine Form findet, die für sich steht. Das Material wurde im 15-monatigen Entstehungsprozess von „Neon Golden“ immer wieder neu zusammengesetzt und zu üppiger Schönheit verzahnt, wobei die Jazz-Elemente zugunsten von Folk und Dub zurücktraten. Nicht zuletzt sind es jedoch die Songs, die – diesmal stärker als sonst um den Gesang herum aufgebaut – überzeugen. „Pick Up The Phone“, bereits im jüngsten Werbespot des Jugendmagazins der „Süddeutschen“, „jetzt:“, zu hören, ist nur ein Beispiel für die hohe Kunst des Notwist’schen Songwritings dieser Tage. Ein überaus reiches Album, das zum Klassiker avancieren dürfte.

 

diverse /africa raps

trikont /indigo

Zwar bringt der Markt der Weltmusik durchaus Musik aus entlegensten Gegenden nach Europa, aber was in „exotischen“ Metropolen als Popmusik rezipiert wird, bleibt hier zumeist eine Angelegenheit für Spezialisten. Nicht nur deshalb ist diese Zusammenstellung von HipHop-Acts aus Senegal, Mali und Gambia so wertvoll. Vor allem in Dakar, der Hauptstadt Senegals, hat sich eine quirlige Szene entwickelt, die durchaus eigene Formen entwickelt hat. Positive Black Soul, so etwas wie die Väter der Bewegung, fingen schon vor Jahren an, neben französisch auch in der Landessprache Wolof zu rappen. Die Produktionen, die sicher nicht immer Weststandards erreichen und fast ausschließlich auf Cassetten vetrieben werden, beziehen ihren speziellen Reiz aus der Verschmelzung afrikanischer Einflüsse und der durch die französische Szene gefilterten afroamerikanischen HipHop-Tradition. Weiche Spielarten überwiegen, in den Texten geht es um Alltägliches, um Religion und Politik. Ein gelungener Einblick in ein ergiebiges Thema (mehr dazu unter http://www.africanhiphop.com).

 

sleepytime gorilla museum /grand opening and closing

seeland /flight13

In San Francisco und seinen anliegenden Gemeinden haben sich diese vier Musiker und eine Musikerin, allesamt zuvor in verschiedenen Avant-Rock-Bands wie Idiot Flesh, Tin Hat Trio und Charming Hostess aktiv, zusammengetan, um mit Sleepytime Gorilla Museum (SGM) die verschiedenen Linien progressiver Rockmusik von Beefheart über Art Bears und die Einstürzenden Neubauten bis hin zu neueren Artrock-Versionen, wie sie Mr. Bungle spielen, zusammnzuführen. SGM graben tief in der Geschichte des Rock. Ihre Musik ist dabei von bisweilen beängstigender Perfektion, zuweilen gnadenlos überrissen, manchmal aber auch von schlichter Schönheit. Wie schon Idiot Flesh geben SGM schließlich einen theoretischen Überbau vor, der an gigantomane Konzepte und Tripelalben des Mittsiebziger-Artrock erinnert, dessen Herkunft jedoch obskur ist und hierin mit der Musik korrespondiert, die Bombast und Virtuosität zwar ausstellt, dies aber so lässig wie scheinbar distanziert tut. Daraus gewinnt „Grand Opening And Closing“ eine enorme Spannung, die schier unwiderstehlich ist und neugierig weitere Veröffentlichungen macht.

 

the microphones /the glow pt. 2 (k records /hausmusik) Hinter den Microphones steckt Phil Elvrum, der hier seiner Vorliebe für psychedelisch verhuschtes Songwriting folgt. Lofi-Verfahren, eklektische Arrangements, merkwürdig stolpernde Rhythmen und überirdisch schöne Pop-Songs finden sich zu einem Reigen ein, der nicht nur Fans von Palace oder Eric’s Trip zur Freude gereicht.

 

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