Vor zehn Jahren – oder: Was wurde eigentlich aus Gebhardt?


Damals jedenfalls bestellte die taz Bremen eine Konzertankündigung für die wirklich tolle Band HGH, bei der sich der damalige Schlagzeuger von Motorpsycho musikalisch ländlichen Freuden hingab (erschienen am 30.1.2002):

Gott am Steuer

 Motorpsycho-Schlagzeuger Gebhardt auf ländlichen Wegen

Zum Duo geschrumpft halten HGH („Hagfors Gebhardt Hickstars“) zwar an Bluegrass als Fokus fest, entfernen sich auf ihrem zweiten Album aber deutlich vom puristischen Ansatz des Debüts und erweitern ihr Instrumentarium um selbstgebastelte Klangerzeuger, ihre musikalische Palette um neue Farben.

„Garbage In The Mud“ atmet den Geist des Chansons, „Me & My Buddy“ ist zurückgelehnt-rus-tikaler Folk, „Love Song“ verweist süffisant auf den Titel des Albums. In diesem Koordinatensystem spielt sich Unterhaltsames für Freunde akustischen Musizierens ab. Die stilistische Veränderung erklärt Gebhardt, hauptberuflich Schlagzeuger der grandiosen Band „Motorpsycho“, so: „Als wir mit HGH anfingen, waren wir einfach drei Freunde, die gemeinsam Musik machen wollten. Wir gingen in die Berge in eine uralte Holzhütte, setzten uns bei gutem Essen und gutem Wein zusammen und spielten das erste Album in drei Tagen ein. Erst wollten wir nur eine Single veröffentlichen, wenn überhaupt. Wir fanden das Ergebnis aber so gut, dass wir beschlossen, ein Album zu veröffentlichen. Mehr und mehr Leute interessierten sich dafür und wollten uns live sehen. Wir begannen neue Songs zu schreiben, uns Geschichten auszudenken und fanden heraus, dass wir eine bestimmte Sorte Humor haben. Auf dem zweiten Album kann man das nun auch hören. Als nächstes werden wir ein Konzeptalbum über unseren Fahrer, Vater Seb, machen. Er hat uns gerettet, auf der Reeperbahn vor einem Jahr, als wir in der Prinzenbar gespielt hatten. Wir waren betrunken und hatten unsere Begleiter verloren. Wir liefen also die Reeperbahn auf und ab auf der Suche nach einem Schlafplatz. Alles war ausgebucht. Schließlich fanden wir eine Kirche, klopften an. Vater Seb öffnete, nahm uns auf und gab uns Wein. Am nächsten Tag waren wir immer noch zu betrunken, um nach Berlin zu fahren. Deshalb wurde er unser Fahrer und verkaufte unser Merchandise. Er verkaufte einen Haufen T-Shirts. Es hilft anscheinend, einen Priester dabei zu haben.“

Aber ihr müsst im Gegenzug nicht in die Kirche eintreten? „Nein, ich denke, er versteht, dass wir verlorene Seelen sind.“