Vor 10 Jahren


beprochen für’s INTRO, Rubrik: „Hart & Schnell“…

 

FATSO JETSON

CRUEL & DELICIOUS

(RekordsRekords / EFA)

Mario und sein Cousin Larry Lalli sind echtes Palm-Springs-Urgestein, inspirierten Nick Oliveri von Queens Of The Stone Age zum Rocken und haben bereits drei Alben veröffentlicht – zwei davon auf dem legendären Black-Flag-Label SST. Bei Steinzeitgkönigin Josh Hommes RekordsRekords haben sie nun eine neue Heimat im Herzen der Wüsten-Bande gefunden. Deine Stoner-Band von um die Ecke sind sie dmait noch lange nicht. Dafür sind sie zu eigen. Schwere Riffs, klar, aber ihre Leidenschaft für Captain Beefheart, ihre Neigung zu krudem Blues-Rock und verdrehten Takten lässt sie ihren Blick weit über das Erbe von Black Sabbath hinausschweifen. Man höre „Light Yourself On Fire“ mit seinen entrückten Melodien und schwerst psychedelischen Gitarren oder auch das Instrumental „Heavenly Hearse“. Mit einer leider etwas notlos rüpelnden Version von „Ton O Luv“ (DEVO) beweisen sie Geschichtsbewusstsein, mit Vince Meghrouni haben sie sich einen Gast geladen, der u.a. bei der späten SST-Jazz-Band Bazooka spielte. Von solchem Geist genährt ist „Cruel & Delicious“. Das muss ja beinahe schon gut sein. Und das ist es in seiner Autarkie von allen Diskursen um Leben und Ableben oder Wiedergeburten von Rock auch.

 

Vor zehn Jahren


erkor ich folgende Alben für den Rezensionsteil des BREMER:

queens of the stone age /songs for the deaf

motor /universal

Unaufhaltsam, mit brachialer Eleganz arbeiten sich Queens Of The Stone Age weiter in ihren eigenen Sound-Kosmos hinein. Mit Dave Grohl (Nirvana), Mark Lanegan (Screaming Trees), Dean Ween (Ween), Blag Dahlia (Dwarves) und den alten Freunden aus der Wüste um Palm Springs schufen die Zeremonienmeister Nick Oliveri und Josh Homme ein Album, das rauer und härter als „Rated R“ ist, gleichzeitig aber auch schillernder, bombastischer – und smarter als alles, was sich derzeit unter dem Label Stoner Rock tummelt. QOTSA können über sich selbst und ihren 2000er „Feel Good Hit Of the Summer“ lachen, weil sie wissen, dass das erst der Anfang war. Wenn sie nicht verglühen (Oliveri scheint in letzter Zeit bedenklich abgenommen zu haben), werden sie die größte Hardrockband der nächsten zehn Jahre sein.

P.S.: Alfredo Garcia, einst mit Homme und Oliver bei Kyuss, bereitet derzeit mit seiner ca. fünften Band „Hermano“ mal wieder zum ebensovielten Mal das alte Rezept auf und beantwortet so nebenbei die Frage, warum es mit Kyuss nicht weitergehen konnte.

sparta /wirestrap scars

motor /universal

Die Frage stellen, heißt sie beantworten: Kann man über Sparta schreiben, ohne über At The Drive-In zu reden? Man könnte, aber damit machte man es sich unnötig schwer, verhält sich doch die Zerfallsmasse der zu früh zerbrochenen Band wie erwartet: Mars Volta mit den beiden Lockenköpfen Cedric und Omar gehen in Richtung Progrock, viel weiter, als es ATDI taten. Sparta, der andere Nachfolger, spürt dem Pop-Appeal der alten Band nach. Nach der etwas zu aufgeblasenen EP „Austere“ ist „Wirestrap Scars“ ein beachtliches Album geworden. Kraftvoll aber nie überladen legen Sparta den Akzent auf die Melodie – mit jener melancholischen Wut vorgetragen, die vielleicht die einzige Gemeinsamkeit dieses ganzen Emo-Dingens ist. Dabei kommen sie – wie bereits ATDI – den Bands musikalisch nahe, die als erste mit erwähntem Etikett versehen wurden: Fugazi und Konsorten nämlich (Man höre nur „Mye“). Lediglich, dass sie die Spannung nicht über die volle Albumlänge halten können, könnte eingewendet werden. Ansonsten: ein souveränes Album.

willy schwarz /metamorphoses

knitting factory /import

Vor etwa einem halben Jahr war Wahl-Bremer Willy Schwarz unser „Bremer des Monats“. Damals war gerade sein zweites Solo-Album erschienen. „Metamorphoses“ ist nun kein eilig nachgeschobenes reguläres Werk, sondern ein Album mit Theatermusik. „Metamorphoses“ ist der Titel eines der drei Stücke von Mary Zimmerman, für die Schwarz komponiert hat. Die Musik für die anderen beiden schrieb er mit Michael Bodeen und Miriam Sturm. Wie schon auf seinen Solo-Alben deutet sich hier die enorme musikalische Spannweite dieses Musikers an, der in den drei traumartig schwebenden Scores auf diesem Album vor allem klassische indische mit europäischer „ernster“ Musik verbindet.

 

Vor zehn Jahren


machten uns McLusky die allerschönsten Hoffnungen – und erfüllten sie.  Gibt es aber auch nicht mehr.

taz Bremen 13.5.2002

Ein Kurzer, scharfer Schock

 Mclusky ließen den Schlachthof zittern

„Ein kurzer, scharfer Schock“ solle es sein, wenn Mclusky auf der Bühne stehen, meinte die Band am Nachmittag. Der Schock dauerte Freitagabend im Schlachthof ungefähr eine halbe Stunde, eröffnet mit dem ungestümen „Light Sabre Cocksucking Blues“, ohne im weiteren Lauf das Tempo wesentlich zu reduzieren. Laut, wirklich laut war das, die Tribüne erzitterte nachgerade, ohne ein Gramm theatralisches Pathos, aber auch ohne die ganzen Pop-Facetten, die die Songs bei allem wütenden Drängen haben.

„Wenn die Leute wirklich schreien, spielen wir auch eine Zugabe“, hatten Mclusky vorher im Interview gesagt. Und sie ließen sich in der Tat recht lange bitten, bevor sie für eine Zugabe in die nicht einmal halb gefüllten Kesselhalle zurückkamen und die Bühne dann den einigermaßen unerfreulichen Heyday überließen.

Welche Wurzeln Mcluskys stürmischer Rock hat? Das geben die drei ohne Umschweife zu. Andy, Gitarrist und Sänger des Trios aus dem walisischen Cardiff, fängt an aufzuzählen: „Die Pixies sind die Band, auf die wir uns alle einigen konnten. Ansonsten Shellac, Gang Of Four, Hüsker Dü, Fugazi, Jesus Lizard, Jesus & Mary Chain, The Fall, Tricky …“

Einwand: Das ist allerdings alles schon ein paar Jahre alt … „Stimmt, aber mir fallen keine aktuellen Bands ein, die wir wirklich mögen“, sagt Andy nach einigem Grübeln. „Trail Of Dead sind ganz gut, At The Drive-In auch. ‚Feel Good Hit Of The Summer‘ von Queens Of The Stone Age ist ein toller Song … aber sonst?!“

Das ganze Gerede um die Rücckehr des Rock geht Mclusky entsprechend am Hintern vorbei, auch wenn sie es besser finden, wenn junge Leute die Strokes oder die White Stripes hören, als Limp Bizkit. Steve Albini, Produzent extra-ordinaire und Kopf der Band Shellac, produzierte nur zu gern das umwerfende zweite Mclusky-Album „Do Dallas“ nach Kenntnisnahme der Songtitel ihres Debüts mit dem wundervollen Namen „My pain and sadness is more sad and painful than yours“ (Albinis Titel-Favorit „When They Come Tell ‚Em No“). Eine ideale Kombination. 21 Songs nahmen Mclusky bei Albini in neun Tagen auf, die meisten nur ein einziges Mal. 15 landeten auf dem Album, das entsprechend nah an den Bühnenqualitäten der Band ist.