Vor zehn Jahren im INTRO


[http://www.youtube.com/watch?v=JhzMlgQxqZUg]

THE HIDDEN HAND

„Divine Propaganda“

(Exile On Mainstream)

Lange ließ er nicht auf sich warten, dieses Mal: Was nach Obsessed Jahre kostete – Aufrappeln under the influence von Alkohol und Speed samt späterer Läuterung – ist Vergangenheit. Nach Spirit Caravan macht Scott „Wino“ Weinrich umgehend weiter. Während letztere sich nur in Nuancen von Obsessed unterschieden, etwas schneller und Break-lastiger waren, ist „Divine Propaganda“ Beleg dafür, dass Wino nicht anders kann, als nach sich selbst zu klingen, auch wenn er etwas anderes macht. Die Stimme, seine Art, Gitarre zu spielen bis in die Soli, auf der Bühne nicht selten ausufernd – unverkennbar er. Innerhalb des oberflächlich als Bluesrock zu Beschreibenden liegt eine Fülle von Einflüssen, die der Mann in all den Jahren verdaut hat. Neben Black Sabbath John McLaughlin, Frank Zappa, Duane Allman – amalgamiert zu einem süffigen Spiel – man höre das Solo in „Sunblood“. Hidden Hand sind indes ein hörbarer Fortschritt gegenüber Spirit Caravan. Formal klarer, spielerisch dichter, moderner auch als seine alten Bands. Modern auf eine Weise, die von Geburt an klingt, als hätte sie schon ihre dreißig Jahre auf dem Buckel. Und das geht, weil es Wino ist, der hier spielt. Spielte er Ramones-Songs, es klänge noch nach ihm. „Divine Propaganda“ ist seine beste Platte seit „The Church Within“. Auch lyrisch übrigens auf eigentümliche Weise im Hier angekommen. Ökologischer Apokalypso, die alte Indianerschule, die eines Tages bemerken wird, dass Bäume auch nicht besser schmecken, als Geld es tut.

EX MODELS

ZOO PSYCHOLOGY

(Frenchkiss)

Erst britzelt es gewaltig, dann setzt das Schlagzeug ein. Ein straffer Beat, in den sich die Gitarre widerwillig einhakelt. Stimmen, überschnappend, ein wenig an den Gesang bei Devo erinnernd. Der Bass spielt einen rasend stotternden Takt hinein. Das Stück wird sodann schneller und löst sich alsbald in reinen Lärm auf. „Fuck To The Music“. Danach kommt das Intro, zumindest heißt der zweite Song so. In wenig mehr als zwanzig Minuten fackeln die Ex Models fünfzehn Miniaturen dieser Art ab. Zerhackt und wie von Furien gehetzt, aber wir dürfen vermuten, dass hier andere Sachen für das Hetzen zuständig sind. Wer sich die Seconds angehört hat, hat eine Ahnung von dem, was hier passiert. Nur, dass bei den Ex Models (unter Mitwirkung des Seconds-Gitarristen) alles noch deutlich schärfer zugespitzt ist. Mit Madonna-Covers halten die hier sich nicht mehr auf. Lieber vertonen sie französische Mode-Philosophen der jüngeren Vergangenheit. „Hott For Discourse“ heißt ein Song. Zwar klingt auch das nach Achtzigern, aber kein Stück nach Retro. In drängenderen Momenten könnte es glatt eine entgrindete Version von Melt Banana sein. Groß!

WINO & CONNY OCHS – ‚Heavy Kingdom‘


Schließt nahtlos an Winos letztes Solo-Album an und ist natürlich auch von Conny Ochs‘ Debüt nich weit entfernt. Und man muss sagen: Die Stimmen der beiden Herren passen gut zusammen. Die eine, Winos, reif, die andre noch hörbar jünger, aber gleichfalls bluesgetränkt. Und wie schon be Winos Akustiksause bewegt sich das hier zwischen Blues als Gefühlslage (was erstens also nicht die ollen 12 Akkorde sind und zweitens eben nicht nur traurig) und klassischen Songwriter-Entwürfen. Die Fremdkomposition kommt von Townes Van Zandt, dessen eigenen Version(en) sie nichts Entscheidendes hinzufügen, aber das macht vielleicht auch nichts.


(Exile On Mainstream)