Vor zehn Jahren


… für die lokale taz besprochen und heute so wertvoll wie damals:

bremen im brenner

Cool Jerks: „Wir beaten mehr“

Die langen Jahre in den Probe- und Beatkellern des Landes haben sich ausgezahlt, jedenfalls musikalisch: In Bands wie den Lowlanders, gewiss einst Bremens partyfesteste Combo, bei den Meatles, Trash Monkeys und wie sie alle heißen erarbeiteten sich Andreas, Guido und Lutz das Handwerkszeug, mit dem sie als Cool Jerks seit ein paar Jahren auf einem neuen Plateau arbeiten.

Immer noch in den recht präzise umrissenen Gefilden des Garagen-Beat agierend, haben sie mittlerweile die musikalische Reife, die Songs selbst in den Vordergrund zu rücken – unbemäntelt von dem sägenden Gitarrenkrach ihrer oft ungestümen Vergangenheit. Und sie verfügen über eine lyrische Souveränität. Die gestattet es ihnen, die von sich sogar behaupten, sie sängen dann und wann auf Luxemburgisch, ihr zweites Album komplett in deutscher Sprache zu betexten. Und zwar ohne dabei aufdringlich zu klingen.

as Resultat heißt „Wie beaten mehr“ und belegt die musikalische Klasse der Band. Gelassen und gekonnt spielen die Cool Jerks mit der Geschichte deutscher Rockmusik von den Lords bis zu den Ärzten. Sie zitieren „Zurück zum Beton“ (S.Y.P.H.), beziehen sich stilistisch auf Trio – „Vorbye (und Schluss…)“ -, adaptieren „Launisches Mädchen“ von der polnischen Beatlegende Czerwone Gitary und bringen das alles in formvollendeten Sixties-Beat-Songs unter, ohne dabei nostalgisch zu werden. Einmal abgesehen davon, dass „Wir beaten mehr“ exklusiv in archaisches Vinyl gemeißelt veröffentlicht wird. Addieren wir noch den hanseatisch-patriotischen Schlag dazu, der sie Songs über den Osterdeich und den Lieblingsclub Tower schreiben lässt, haben wir den beträchtlichen Charme der Band einigermaßen präzise im Sack.

Der nächste Clou des polyglotten Trios soll dann übrigens eine Single sein, die sie sich mit den niederländischen Waistcoats teilen. Die Holländer singen Deutsch, die Cool Jerks Niederländisch.

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Vor zehn Jahren


… besprach ich für das TRUST entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten ein Reggae-Album:

PRINCE ALLA – ‚More Dub‘

Allmächtiger! Ich weiß, dass es dich nicht gibt. Aber Prince Alla weiß es nicht. Er wusste ja als kleiner Bub sogar nicht einmal, dass Alla und du eigentlich in erster Linie dieses gewisse Göttliche gemeinsam habt und euch schon allein deswegen wechselseitig ausschließt. Bei Alla ist der Prince geblieben, wenn auch nur dem Namen nach. Ansonsten singt er zu deinem Lobpreis, Rastafari, wie kaum ein zweiter, seit du Bob Marley zu dir nahmst und H.R. eher damit beschäftigt ist, sich mit seinen Bandmitgliedern zu schlagen. Auf Prince Alla kannst du wahrlich stolz sein. Im rund dreißigsten Jahr seiner Karriere hat er es wieder einmal geschafft ein beinahe makelloses Dub-Reggae-Album aufzunehmen, in dem sich erhabene Bässe, irrwitzig altmodische Hall- und Echo-Effekte auf rappelnden Percussions, strahlende Bläser-Riffs, komische Geräusche, ein paar Gitarren (vielleicht das einzige Manko in meinen Ohren) und seine salbungsvolle Vokalarbeit zu einem schier mitreißenden Gesamtklang in beinahe unendlichen Räumen (und unendlich – da stehst du doch drauf) versammeln, dass ich ihm glatt nachsehe, dass er an dich glaubt – und Hand aufs Herz: Du weißt, dass mir das gewiss nicht leicht fällt. Aber in Nachsicht seid ihr Götter doch angeblich auch ganz groß. Drum komm, alter Junge, gib dir schon einen Stoß und kauf diese Platte!