Vor fünf Jahren


… im PRINZ Bremen angekündigt:

Wire

Es kommt nicht allzu häufig vor, dass eine Band wie Wire in Bremen haltmacht. Allerdings gibt es auch kaum eine Band wie Wire. Eine, die über Jahrzehnte hinweg die Musikszene geprägt hat und das heute noch tut. Kurz: eine Legende.

 

Wire begannen 1976 in London als Punkband, entwickelten sich aber schon bald rasant weiter. Mit ihrem Debüt „Pink Flag“ überspitzten sie Punk ironisch, auf „Chairs Missing“ erweiterten sie ihr Vokabular um längere, atmosphärische Stücke und Synthesizer, nach einer kreativen Pause, in der sich die Musiker anderen Projekten zuwandten, begannen sie, verstärkt mit Elektronik zu experimentieren. Immer wieder zogen sie sich in den folgenden Jahren zurück, um die Welt überraschend mit der letzten Neuerfindung zu beglücken. Und beeindruckten und beeinflussten wie ihre Zeitgenossen von Gang Of Four und Pop Group mit ihrem Tun eine Unmenge von Bands, von Big Black über REM bis Helmet, von den Legionen der neueren Post-Punk-Schüler ganz zu schweigen.

 

Auf eine Art waren sie jedenfalls immer da – sei es als Referenzband für junge Musiker oder eben höchtspersönlich. Und so ist auch ihr neuerliches Erscheinen in den letzten Jahren eine der insgesamt eher wenigern erfreulichen Reunions, keine Frage. Schließlich haben Wire, wie es irgendwo stand, sich entschieden, keine Jukebox ihrer alten Hits zu sein, sondern sehen sich bemüßigt, ihr beträchtliches Gesamtwerk um weitere Facetten zu erweitern. Anders als auf den strengen Alben der Neunziger, macht sich auf „Object 47“ beispielsweise (auf der 47. Wire-Veröffentlichung) zarte Melodik über den nach wie vor unnachgiebig swingende Rhythmik, harsche Gitarren, gelegentlich ein funkiger weißer Dub. Damit zeigen sie den Epigonen, wo es lang geht, wie hier einer von ihren innovativeren Schülern zeigt: Am Ende steuert Page Hamilton von Helmet Feedback-Gewitter bei. Der weiß, woher auch er einst seinen Most geholt hat.