Die Jugend von heute


spielte vor fast zehn Jahren im Wehrschloss. Musste man natürlich hin

taz Nord 12.7.2003

Standing hard

Youth Of Today singen wieder vom Leben ohne Fleisch und Drogen. Der Streit mit der Szene bleibt diesmal aus

In kurzen, schnellen Songs propagierte die New Yorker Hardcore-Band „Youth Of Today“ in den späten 80ern ein Leben ohne Drogen und Fleisch und setzten damit einer Hardcore-Szene, die sich fast ausschließlich über die Negation der Verhältnisse definierte, eine positive Attitüde entgegen. „Straight Edge“ war der Name für das Bekenntnis zum gesunden, moralisch einwandfreien Leben. Ein nachhaltiges Konzept – und doch löste sich die Band 1990 auf. Dreizehn Jahre später sind sie wieder unterwegs in deutschen Freizeitheimen.

Am vergangenen Donnerstag spielten sie im Bremer Wehrschloss, wie schon 1989, kurz vor ihrer großen Pause. Seinerzeit wurden Youth Of Today äußerst kontrovers diskutiert als Teil einer Hardcore-Szene, die nur zu gern eine geschlossene Bewegung gewesen wäre. Die New Yorker bedienten das Bedürfnis mit entsprechender „Unity“-Rhetorik. Die Brüche indes waren unübersehbar. Immer wieder sah sich die Band einem Publikum gegenüber, das die furiose Musik schätzte, die belehrenden Ansagen von Sänger Cappo aber zum Anlass nahm, mit Bier zu spritzen. Solche Szenen blieben am Donnerstag aus. Cappo skandierte: „Proud of who I am, what I say, and what I do! – I’m standing hard!“ Der gesunde Lebenswandel erlaubte eine energetische Show, in der schließlich die Gemeinschaftswünsche von Band und Publikum eingelöst wurden, die irgendwann unentwirrbar und ununterscheidbar auf und vor der Bühne wuselten.

Zur perfekten 89er-Simulation gehörten schließlich auch die stilecht ausgewaschenen Old-School-T-Shirts und die tätowierten Kreuze auf der Hand – sie kennzeichneten einst Minderjährige, an die in US-Clubs kein Alkohol ausgeschenkt werden durfte. Im Grunde also ein Folklore-Abend, wenn auch ein mitreißender.

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