Vor zehn Jahren für den BREMER rezensiert


him /many in high places are not well

fatcat/ hausmusik/ indigo

Neu am neuen Album der anderen HiM (die ihren Namen generös mit den Love-Metal-Finnen teilen) ist vor allem, dass hier manchmal gesungen wird – ganz sacht, wie überhaupt die sieben neuen Stücke noch entspannter klingen, als bislang schon. Die vormals oft exponiert solierenden Bläser fügen sich geschmeidig in das komplexe Geflecht aus Afro-Jazz-Rhythmen ein. Neben der Stammbesetzung mit Leuten wie Fred Erskine (June Of 44, The Boom), Carlo Cennamo (The Boom, The Sorts) und natürlich Bandleader Doug Scharin (Codeine, June Of 44, Rex) wirken u.a. Rob Mazurek (Chicago Underground Duo, Isotope 217), Abdou M’boup (Tom Tom Club), der mit seinem Kora-Spiel Akzente setzt, Joe Goldring (Swans), Adam Pierce (Mice Parade) sowie Christian Daustreme (The Letter E, The Screw) und Múm-Sirene Kristin Valtysdottir mit. All diese Stimmen fügen sich zu einem Kollektiv, das in seinen sanft pulsierenden, ausgedehnten Improvisationen gänzlich uneitel musiziert. Eine wahnsinnig freundliche und schöne Platte.

mars volta /de-loused in the comatorium

motor /universal

Verschärftes Mythenpotential: Nur wenige Wochen vor der Veröffentlichung des neuen Albums von Mars Volta, den wahren Bewahrern des musikalischen Geistes der großen At The Drive-In, starb Jeremy Michael Ward den Rock’n’Roll-Tod, der Mann, der den Breitwand-Rock, für den Vokabeln wie Emo lange nicht mehr greifen, mit elektronischen Spuren versetzte. In diesem Licht steht das Werk nun als ein Schlusspunkt, wenn es auch (hoffentlich) nicht der der Band ist. Und was für ein Album es geworden ist! Omar Rodriguez, der „De-Loused…“ mit Rick Rubin (Slayer, Beastie Boys et al.) produzierte, und Cedric Bixler haben die visionäre Substanz ihrer alten Band ATDI mitgenommen und auf eine neue Ebene gehoben. Dabei verarbeiten sie das Erbe großer Rock-Bands wie Led Zeppelin ebenso wie Dub, latinische Einflüsse und modernistische Klangmalereien zu einer atemberaubend dramatischen, schönen und eleganten Musik. Markant nicht zuletzt, was Cedric Bixler hier stimmlich vorführt. Seit Chris Cornell hat kein Rocksänger so sexy geklungen.

faruk green /a certain mr. green

copasetik /indigo

Adem, Engin und Özgür sind aus Bremerhaven und behaupten, sie kämen aus dem Schwarzwald. Vielleicht stimmt das aber gar nicht und ihre Plattenfirma lanciert haltlose Gerüchte, oder sie kommen tatsächlich aus dem Schwarzwald, wofür eventuell ihr Name spräche, und behaupteten früher bloß frech, dass sie aus Bremerhaven seien. Ein wenig Erfindungsgabe hat schließlich nie geschadet, auch, sofern es um die beinahe unumgängliche Staffage künstlerischer Biographien ging. Faruk Green haben es jedenfalls nicht zuletzt und vor allem durch ihre eigentümliche Melange aus Easy Listening, Jazz, Elektronik, HipHop und Postrock zu einem Ruhm gebracht, der sie bei internationalen Hipstern wie DJ Gilles Peterson oder Daniel Miller (Mute Records) zum festen Begriff gemacht hat. In Bremen spielten sie zuletzt im immerhin vollen „Urlaub“ vor wenigen Händen voll Menschen. „A Certain Mr. Green“ ist das längst fällige Kompendium ihrer Kunst.

american analog set /promise of love

wall of sound /labels

Durchaus nicht ohne Erfolg, aber irgendwie dann doch immer ein wenig abseits vom Rummel der Musikwelt stellen American Analog Set aus Texas seit nunmehr acht Jahren und fünf Alben eine feingestrickte Musik zwischen elegischem Pop, zartem Folk und rudimentärem Rock her, die unaufdringlich Räume füllt. Velvet Underground und Mazzy Star könnten hier inspirierend gewirkt haben, vielleicht auch Yo La Tengo. Eine Abgeklärtheit liegt jedenfalls in dieser Musik, die wahrscheinlich ein Ergebnis der vermeintlichen Überwindung von Rock mittels des so genannten Postrock ist – derweil derzeit eine Horde junger Menschen, deren Bands fast alle ein „The“ im Namen haben, so tut, als sei das alles nie passiert. American Analog Set wurde diese Gnade der späten Geburt nicht zuteil, weshalb sie sich einfach das Beste aus beiden Welten nehmen und daraus eine Musik generieren, die über die Jahre immer besser geworden ist.

whirlwind heat /do rabbits wonder?

xl-recordings /beggars /zomba

Jack White von den White Stripes sprach Whirlwind Heat bei einer Show in deren Hematstadt Detroit an und machte ihnen das Angebot, ein paar ihrer Songs zu produzieren. Drei Jahre nach der ersten Zusammenarbeit ist das erste, wiederum von Jack White produzierte Album von Whirlwind Heat die erste Veröffentlichung auf dessen Label Third Man Records (in Deutschland in Lizenz bei XL-Recordings). Zwar haben Whirlwind Heat wie die White Stripes einen kräftigen Hang zur musikalischen Garage, erschöpfen sich allerdings nicht darin. Wie viele Musiker ihrer Generation hegen sie ein ausgeprägtes Interesse für den etwas anderen Punk der späten Siebziger und frühen Achtziger. Vor allem Devo haben ihre Spuren hinterlassen, ohne dass bloß kopiert würde. Schlagzeug und Bass unterlegen charmant holpernd die kruden Synthesizer-Sounds und die sich überschlagende Stimme von Keyboarder und Sänger David Swanson.

fu manchu /go for it…live! (steamhammer /spv) In glänzender Spiellaune kredenzen die Kalifornier Fu Manchu auf zwei CDs einen Querschnitt durch ihr Repertoire der letzten 12 Jahre. Riecht schwer nach Autofahrten bei offenem Fenster über sonnenüberflutete Highways. Riff-Rock klang seit AC/DC nicht mehr so gut.

marvin gaye /live in montreux 1980 (eagle /edel) Die große Stimme des Motown-Soul gastierte 1980 auf dem legendären Jazz-Festival und nahm die Herzen im Sturm. Die in der Tat mitreißende Show mit exzellenter Band in hervorragender Aufnahmequalität kommt jetzt als Doppel-CD und als DVD auf den Markt.

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