Vor 15 Jahren


taz Bremen 9.4.1998

Die Vorschau

Der Untergrund lebt

 Pendikel, Buttmaul und El Gato spielen am Samstag in der Buchtstraße

Pendikel sehen ihren Namen am liebsten wie folgt geschrieben: PeNdiKel. Wahrscheinlich um alte Lesegewohnheiten aufzubrechen. Ihre Musik funktioniert schließlich ganz ähnlich. Anstatt daß aus ein paar Akkorden und Rhythmen ein Song gebastelt wird, geben sie Schönes zu Schrägem und durchbrechen den Fluß von Strophe und Chorus immer wieder mit sperrigen Breaks. Die Band um zwei Schreiber des Intro-Musikmagazins ist dabei aber durchaus in der Lage, eine Melodik zu verbreiten, die, wenn auch streng, durchaus eingängig ist.

Verwandt weniger im Klang als vielmehr im Geiste sind sie damit den anderen Bands auf dem deutschen BluNoise-Label, das sich in den letzten zwei Jahren zur Brutstätte für intensive (vor allem) Gitarrenmusik aus unseren Breiten entwickelt hat. Hier tummelt sich mit Ulme, Scumbucket, Mink Stole und anderen einiges, was des Antestens wert ist. Pendikel sehen in sich die Verschrobenheit von Sonic Youth, die Energie von Fugazi, die Brachialität von Helmet und die musikalische Vielfalt von King Crimson vereint. In ihrer Musik den Einfluß der übergroßen No Means No zu verorten ist überdies alles andere als weit hergeholt.

Buttmaul aus Bremen sind schon weniger das, was unvernünftige Menschen gern als ‚verkopft‘ zu bezeichnen pflegen. Sie rocken eher geradeaus, lüften aber immer wieder die Lärmdecke, um Gerüste der Shellacschen Bauart zu enthüllen.

El Gato winden sich unruhig in der Crossover-Schublade, im Bewußtsein der Dubiosität des Begriffes einerseits und der überaus geschmackvollen Bezugspunkte darin andererseits. Vorsichtig lassen sie durchblicken, daß sie Primus und die Red Hot Chilli Peppers cool finden und die Bad Brains natürlich auch. Angesichts dessen, daß unter diesen Vorzeichen schon viel Leid über die alternative Generation gebracht wurde, dürfen wir gespannt sein, ob El Gato die Untiefen ihres Metiers umschiffen oder daran zugrunde gehen.