Oldies, but goodies


Vor zehn Jahren hielt ich unter anderem diese beiden Alben für würdig, im TRUST näher begutachtet zu werden:

MOTORPSYCHO – ‚It’s A Love Cult‘

Sie scheinen mal wieder an einem Scheideweg zu stehen. Die Errungenschaften der vorherigen Alben sind hier eingebettet in das, was Motorpsycho in den Jahren bis „Trust Us“ kultiviert hatten. Auf „Love Cult“ finden wir so einige Überbleibsel aus den „Phanerothyme“-Sessions, ein paar sixtifizierte Rocker, mit „Serpentine“ mindestens einen Riesen-Hit und einige epischere Stücke.

Die Rede vom Zitatpop, die dann mit den Bühnen-Motorpsycho doch wieder nichts zu tun hat, ergibt bei Songs wie „Neverland“ – einem weiteren Hit – durchaus Sinn: Der Song eröffnet mit einem scheppernden Riff auf der 12-saitigen Gitarre, eine mächtige Orgel stößt hinzu, Stimmen sagen „uh uh“ wie in „Sympathy For The Devil“ und die Band stürzt sich vornüber in einen gut gelaunten Pop-Song. Zum einen also gibt es hier durchaus formvollendete Momente, die den Katalog der ewigen Motorpsycho-Perlen ergänzen, aber daneben stehen auch seltsam unfertige Dinge wie „Composite Head“, das mit quecksilbrigen Allman-Betts-Gitarren beginnt und zu einem Song wird, der irgendwo einfach aufhört. Ende des Albums. Was nun? Im Frühjahr soll eine Aufnahme aus dem Fishtank erscheinen, wo Motorpsycho mit ein paar norwegischen Freejazzern u.a. das Art Ensemble Of Chicago covern. Es bleibt spannend.

Stickman/Indigo

 

HELLNATION – ‚Dynamite Up Your Ass‘

Ein Quiz: 21 Songs in weniger als 15 Minuten – was ist das? Okay, das war einfach. Bei dieser Grindcore-Platte handelt sich zudem auch noch um ein besonders gelungenes Exemplar, voller Wut, ohne überflüssiges Gewichse, in obersten Geschwindigkeitsregionen elegant dahin bretternd. Ganz so also, wie es im Genre seit 15 Jahren zugeht, wenn es gutgeht. In den Texten wird in einer ergreifend schwarzweißen Manier nicht zuletzt das Schwarzweiß-Denken kritisiert, gegen Yuppies, Wendehälse, Walmart und andere Erscheinungen der bürgerlichen Gesellschaft gewettert, der Hellnation offenbar ein anarchistisches Modell entgegenhalten. Wieder einmal äußerst bestechend: Der formale Vorzug des Grindcore, wegen seiner Geschwindigkeit eine enorme Menge von Information auch in den Texten zu ermöglichen. Multipliziert mit der Eigenschaft, sich (zumindest bislang) nicht für eine großformatige Verwertung durch das Kapital zu eignen, ergibt das in der Summe die ideale Kunstform für Revoluzzer wie uns. Ich fordere also hiermit: Die Propagierung des Grindcore und seine Einsetzung als wesentliche revolutionäre Kunstform ist sofort zu unternehmen – sonst wird das hier nix mehr mit anderen Verhältnissen!

Sound Pollution; http://www.sound-pollution.com

 

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