Vor zehn Jahren


machten uns McLusky die allerschönsten Hoffnungen – und erfüllten sie.  Gibt es aber auch nicht mehr.

taz Bremen 13.5.2002

Ein Kurzer, scharfer Schock

 Mclusky ließen den Schlachthof zittern

„Ein kurzer, scharfer Schock“ solle es sein, wenn Mclusky auf der Bühne stehen, meinte die Band am Nachmittag. Der Schock dauerte Freitagabend im Schlachthof ungefähr eine halbe Stunde, eröffnet mit dem ungestümen „Light Sabre Cocksucking Blues“, ohne im weiteren Lauf das Tempo wesentlich zu reduzieren. Laut, wirklich laut war das, die Tribüne erzitterte nachgerade, ohne ein Gramm theatralisches Pathos, aber auch ohne die ganzen Pop-Facetten, die die Songs bei allem wütenden Drängen haben.

„Wenn die Leute wirklich schreien, spielen wir auch eine Zugabe“, hatten Mclusky vorher im Interview gesagt. Und sie ließen sich in der Tat recht lange bitten, bevor sie für eine Zugabe in die nicht einmal halb gefüllten Kesselhalle zurückkamen und die Bühne dann den einigermaßen unerfreulichen Heyday überließen.

Welche Wurzeln Mcluskys stürmischer Rock hat? Das geben die drei ohne Umschweife zu. Andy, Gitarrist und Sänger des Trios aus dem walisischen Cardiff, fängt an aufzuzählen: „Die Pixies sind die Band, auf die wir uns alle einigen konnten. Ansonsten Shellac, Gang Of Four, Hüsker Dü, Fugazi, Jesus Lizard, Jesus & Mary Chain, The Fall, Tricky …“

Einwand: Das ist allerdings alles schon ein paar Jahre alt … „Stimmt, aber mir fallen keine aktuellen Bands ein, die wir wirklich mögen“, sagt Andy nach einigem Grübeln. „Trail Of Dead sind ganz gut, At The Drive-In auch. ‚Feel Good Hit Of The Summer‘ von Queens Of The Stone Age ist ein toller Song … aber sonst?!“

Das ganze Gerede um die Rücckehr des Rock geht Mclusky entsprechend am Hintern vorbei, auch wenn sie es besser finden, wenn junge Leute die Strokes oder die White Stripes hören, als Limp Bizkit. Steve Albini, Produzent extra-ordinaire und Kopf der Band Shellac, produzierte nur zu gern das umwerfende zweite Mclusky-Album „Do Dallas“ nach Kenntnisnahme der Songtitel ihres Debüts mit dem wundervollen Namen „My pain and sadness is more sad and painful than yours“ (Albinis Titel-Favorit „When They Come Tell ‚Em No“). Eine ideale Kombination. 21 Songs nahmen Mclusky bei Albini in neun Tagen auf, die meisten nur ein einziges Mal. 15 landeten auf dem Album, das entsprechend nah an den Bühnenqualitäten der Band ist.

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