Vor fast zehn Jahren…


gaben sich Blohm und Voss sportiv – allerdings weiß ich beim besten Willen nicht mehr, ob ich den seinerzeit schrieb…

taz Bremen 16.4.2002

Unsterbliches auf heiligem Rasen

 Oder: Es geht ein BiBaBobbele in unserm Kreis herum. Blohm & Voss auf der Boris-Becker-Gala-2002

In Gestalt des so genannten Tenniszirkus machte die große weite Welt Station in unserer beschaulichen Stadt. Voss lud seinen Freund Dr. Blohm zur Boris-Becker-Gala in die Stadthalle – um endlich einem alten Geheimnis auf die Spur zu kommen …

Voss: … so sieht also ein Centercourt aus der Nähe aus.

Dr. Blohm: Treffend bemerkt, lieber Voss, findet sich doch hier und heute nur eine einzige Spielfläche.

Voss: Ich hätte gedacht, so ein Spielfeld wäre größer.

Dr. Blohm: Nein, ich denke …

Ein kleiner Mann im Anzug und mit sauber geföhntem grauem Haar springt hinter einem Kleinwagen hervor, der neben der Eingangstür auf einem Podest steht.

Ordner mit grauem Haar: Haben Sie Sitzplatzkarten?

Voss: Selbstverständlich.

Schweigen. Fragende Gesichter auf allen Seiten.

Dr. Blohm: Wir würden gerne hier stehen bleiben, wegen des Überblicks.

Ordner mit grauem Haar: Überblick, so so. Dieser Bereich hier soll frei bleiben. Ich muss Sie bitten, Ihre Plätze einzunehmen.

Widerwillig, doch ob eines solchen Maßes an Autorität gehörig eingeschüchtert, trollen sich Blohm & Voss.

Hallensprecher: … Bahrami, bekannt für seinen iranischen Laisser-faire-Stil …

Voss: Hihi. Das klingt gut. Wer wohl mehr Ballgefühl in den alten Knochen hat …

Dr. Blohm: … und wer mehr Humor? Das Morgen- oder das Abendland? Fast eine völkische Beobachtung, derer sich der Sprecher da befleißigt. Dieser halbseidene Typ schaut übrigens aus wie die Gecken von Animationskünstlern – in dem Ferienclub, den ich vor Jahren meiner Frau zuliebe besuchte.

Hallensprecher: … Spieler, die so viel Ironie mitbringen, hier so ein Spiel zu absolvieren, das ist doch großartig. Und einen Extraapplaus wert, liebe Bremer…

Voss: Wie viel Ironie muss man mitbringen, um eine so anbiedernde Moderation zu absolvieren?

Dr. Blohm: Das solltenwir lieber draußen diskutieren, lieber Voss, lassen Sie uns ein wenig durch die Gänge lustwandeln und diese bezaubernden Menschen betrachten.

Nach einer Stärkung und unter weitgehender Umgehung der zwischenzeitlichen musikalischen Darbietung nehmen die beiden ihre Plätze wieder ein. Becker und Cash spielen sich gerade ein.

Dr. Blohm: … die Schautafel versprach «Varietainment, auf höchstem Niveau.

Voss: Vielleicht auch nur ein müde ausgeleuchtetes Altherren-Spiel. Oder können Sie mir aus dem Keller ihrer reichhaltigen Bildung die exakte Bedeutung der Formulierung «Kätzchenschminken, hervorklauben, lieber Herr Doktor?

Dr. Blohm: Mit den schummrigen alten Männern sind Sie wohl der Wahrheit recht nahe gekommen, wenn ich mir diese Volte erlauben darf.

Hallensprecher: … zwei, die auf dem heiligen Rasen Unsterbliches geleistet haben …

Voss (murmelt): Da ging’s ja auch um was. Will jemand wie der Boris hier überhaupt gewinnen? Die Gage bekommt er doch sowieso.

Dr. Blohm: Klar will er. Das ist der unbedingte Siegeswille. Ist wie mit dem Fahrrad fahren, Voss, das verlernt man nicht. Genau wie Gottfried von Cramm. Ein großartiger Sportsmann. Der hat selbst im hohen Alter …

Voss: Das Spiel beginnt. Aber was ist denn mit Ihrer vermeintlichen Tätigkeit als Balljunge seinerzeit? Ich hege nach wie vor leise Zweifel am Wahrheitsgehalt dieser …

Dr. Blohm (schreit): … Die Beckerfaust! Die Beckerfaust!

Voss: Sehen Sie, Sie weichen immer aus.

Dr. Blohm: Mitnichten. Ich fühle mich nur an alte Zeiten erinnert. Mein Vater verdingte sich gerade als Schrankenwärter und Stadtschreiber in Bergen-Enkheim, ich war gerade zwölf Jahre alt und hatte die Doktorwürde noch nicht ganz erreicht …

Einige Nachzügler entern, mit sektgefüllten Plastikkelchen bewaffnet, lautstark die Haupttribüne.

Becker (über Lautsprecher): Wer zu spät kommt …

Voss (kichert): Damit hat er ja wohl keine Probleme. Ein Königreich für einen Wandschrank. Ein feiner Sport, den der Herr Becker … wie sagte der Aufpeitscher: salonfähig gemacht hat?! Und dann «Kätzchenschminken, …

Dr. Blohm: Nun ja. War auch nicht ganz korrekt. Schließlich hat der weiße Sport in der Nachfolge Beckers eher einen Popularitätsschub erfahren.

Voss: Den Salon verlassen also?

Dr. Blohm: Genau.

Dr. Blohm gibt sich in der Folge ausführlichen Nacherzählungen deutscher Tennisgeschichte aus der Balljungenperspektive hin, deren Wiedergabe wir uns hier ersparen wollen …

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