Vor fünf Jahren


… besprach ich im TRUST unter anderem:

DINOSAUR JR. – ‚Beyond‘

Ihr wisst es: Dinosaur jr. sind zurück – mit Murph und Barlow. Nach mehreren Tourneen in alter Besetzung haben sie sich entschieden, ein neues Album zu schreiben und aufzunehmen. Da sind die Erwartungen entweder gar nicht vorhanden (weil: kennt man ja, diese alten Säcke, die sich ihre Reputation versauen, indem sie halbgare neue Platten aufzunehmen müssen glauben) oder eben sehr hoch. Dass die drei noch einmal einen Meilenstein wie „You’re Living All Over Me“ zuwege bringen würden, hatte zumindest ich nicht angenommen. Und so war es keine allzu große Überraschung, dass sich die neuen alten Dinosaur eher wie die späteren alten anhören. Die ersten Takte versetzen einen direkt in Reminiszenzen an „Just Like Heaven“ und was danach kam. Denn natürlich sind die meisten Songs von J Mascis, und dessen Songwriting hat sich nunmal weiterentwickelt, wurde über die Jahre straighter und ließ zunehmend mehr Raum für diese von mir heiß und innig geliebten Gitarrenheulereien. Dass Barlow zwei Songs schrieb, scheint eher der Hartnäckigkeit seiner Bandkollegen zu verdanken zu sein. Und sie klingen in der Tat anders als das, was wir von ihm kennen: Schließlich nahm er sich schon damals heraus, auf dem erwähnten Klassiker seine Beiträge allein in LoFi aufzunehmen, und auf „Bug“ war gleich gar nichts von ihm komponiert. Hier nun ließ er sich überzeugen, die Stücke im Dinosaur-Sound spielen zu lassen. Sie klingen trotzdem nach Barlow, keine Frage, und sie sind gewohnt gut. So what else is new? Der Gesang ist mehr im Mittelpunkt, Murph ist etwas weiter hinten (und spielt natürlich ganz anders als Mascis, der bekanntlich – oder auch nicht – auf späteren Alben auch diesen Job übernahm) und so weiter und so fort – Kleinigkeiten, die dazu beitragen, dass eben auch diese Inkarnation der Band zumindest im Studio wieder vor allem Mascis ist. Und der kann machen, was er will – es ist eigentlich (fast) immer toll. Interview mit dem Kerl dann in der nächsten Ausgabe – da erklärt er unter anderem was „keeblin’“ ist…

(Pias)

SHINING – ‚Grindstone‘

Angeblich haben diese Typen mal als Post-Bop-Jazz-Band begonnen. Davon ist nur wenig noch übrig geblieben. Hier regiert Prog-Rock, jedoch nicht in seiner Pervertierung als sülziges Fantasy-Theater, sondern als überspitzte, weitergedachte Version von Rock, dramatisch verdichtet, halsbrecherisch gespielt, gewagt ersonnen. Hella dürfen einem in den Sinn kommen, deren jüngster Streich euch noch einmal ans Herz gelegt sei. Mars Volta nehme ich hingegen nur mit Vorbehalt in den Mund, denn wo die in Hochglanz humorlos Konzeptbündel schnüren, sind Shining bei ähnlichem musikalischem Weitblick (Jazz [dann doch], Klassik, Metal, Space-Rock, Morricone und mehr sind hier irgendwo verborgen) gewitzt und nassforsch. Gelegentlich, wie in „Stalemate Longan Runner“, erinnern sie gar ein wenig an Naked City, nur um dann kurzfristig doch noch in den Weltraum abzudüsen, immer tight together, ohne enervierendes Solieren. Einige der Shining-Musiker waren übrigens auch bei dem zwar deutlich enstpannter aufspielenden, aber durchaus probierenswerten Fusion-Ensemble Jaga Jazzist tätig. Eine erstaunliche, eine grandiose Platte, die immer wieder mit neuen Wendungen und Ideen überrascht. Bitte, gib mir mehr davon!

(Rune Grammofon/Cargo)


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