Vor zehn Jahren


besprach ich für den Bremer folgende Schönheiten:

songs:ohia / mi sei apparso come un fantasma

paper cup/cargo

Acht wunderschöne, schwermütige Songs in herbstlichen Farben, aufgenommen im letzten Jahr bei einem Konzert in Italien, fünf davon bislang unveröffentlicht und unbetitelt, enthält dieses sechste Album von Songs:Ohia, der Band um Singer/Songwriter Jason Molina. Das Spiel seiner Begleitmusiker erinnert auf „Mi sei apparso come un fantasma“ an Meister der Langsamkeit wie die legendären Codeine aber auch entfernt an die entrückteren Momente von Crazy Horse, wenn sie Neil Young wie in „Cortez The Killer“ in schleppender Schwere begleiten. Anders als bei älteren Aufnahmen des eigenbrötlerischen Molina, der den stabilen Kern von Songs:Ohia bildet, klingt sein neuestes Album eben durchaus nach einer Rockband. Ein Hintergrund, vor dem sich seine klagende, bisweilen an Will Oldham (Palace) erinnernde Stimme eindrucksvoll entfalten kann.

 

ilse lau / wijbren. de beer

fidel bastro/efa

Die wohl beste Band Bremens hat ein neues Album gemacht, auf dem sie die brachial-komplexen Stücke, die noch das Debüt „Cie de Koe“ prägten, zunehmend zugunsten der Erforschung von Sounds vernachlässigen. „Wijbren. de Beer“ beginnt zwar mit hektischem, verzwickten No-Wave, aber spätestens mit „Breitensport“ eröffnen sie weite Räume, klingen ausgesprochen schön, ohne dabei auch nur eine Spur schwülstig zu klingen. Ihr Instrumentarium haben sie mittlerweile um akustische Gitarren, Zither, Melodica und allerlei Gerätschaften erweitert, die sie im Booklet als „Gerümpel“ führen.

Als sich ständig entwickelnde Band integrieren sie mittlerweile Einflüsse aus Dub, Rock, Postrock und freier Musik in ihren immer erkennbar eigenen Kosmos. Nicht zuletzt besticht der transparente Sound, den ihnen Greg Core (ex-Saprize, Czech) im Hannoveraner IWF gezaubert hat.

 

cypress hill / stoned raiders

columbia

Vor knapp zehn Jahren waren Cypress Hill bei dem großen Clash aus HipHop und Rock ganz vorn dabei: Für den stilbildenden Soundtrack „Judgement Night“ kollaborierten sie mit Pearl Jam und Sonic Youth. Für ihr letztes Studio-Album „Skull & Bones“ beschlossen sie, einige ihrer Stücke mit Musikern von Metal/Hardcore-Bands wie Fear Factory und Rage Against The Machine noch einmal aufzunehmen. Auf „Stoned Raiders“ gehen Cypress Hill nun daran, die beiden Formen zu verschmelzen, die auf „Skull & Bones“ noch sauber getrennt nebeneinander standen. Das ist nun nach mehreren Crossover-Hypes sicher kein die Musikwelt auf den Kopf stellendes Unterfangen. Im Unterschied zu vielen Kollegen, die ähnliches betreiben, sind Cypress Hill allerdings angenehm entspannt bei der Sache, was natürlich prächtig mit ihrem mutmaßlich einzigen politischen Anliegen korrespondiert: Der Legalisierung von Marihuana nämlich, dessen Konsum sie seit ihren Anfangstagen nach Kräften propagieren.

 

sport / these rooms are made for waiting

fidel bastro/efa

Zwar wurden die 13 Stücke von „These Rooms Are Made For Waiting“ schon vor zwei Jahren aufgenommen, aber das macht gar nichts. Sport, manchen vielleicht aus dem Vorprogramm der letzten Blumfeld-Tour in Erinnerung, lehnen es ganz bewusst ab, sich mit Maßstäben wie Hipness oder an musikalischem Fortschrittsdenken messen zu lassen. Im programmatischen Song „Der letzte Schrei“ singt Felix Müller, nebenher Gitarrist bei Kante: „doch was soll dabei dieser anspruch auf modernität / da bleib ich weiter lieber meine 3.30 minuten zu spät / und laß den Fortschritt außen vor und gehen wohin es weitergeht“ – in alter Rechtschreibung, was sicher kein Zufall ist. Mit „3.30 min.“ ist natürlich das klassische Format gemeint, dass ein Song hat: Sport orientieren sich ganz ungeniert an Bands wie Pavement, Build To Spill und Modest Mouse, singen liebevoll ironisch von Soziotopen wie der Szenekneipe am Eck, von verkorksten Liebesverhältnissen und anderen Warteräumen. Eine schöne, charmante und ziemlich schlaue Platte.

 

foetus / blow (noisolution/indigo)

Schon bei Erscheinen von „Flow“ angekündigt: die Remix-Version des tollen Foetus-Comebacks mit Amon Tobin, Franz Treichler, Jay Wasco, Phylr, Charlie Clouser, Pan Sonic, Kid 606, DJ Food, Kidney Thieves/Sean Beavan, Panacea, Ursula 1000 und Thirlwell alias Foetus himself. Am 7.12. wird im Tower übrigens Veröffentlichung gefeiert. Es lohnt sich!

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