Aus gegebenem Anlass


Heute Abend spielt Haruko, über die ich vor einer Weile mal schrieb:

taz Nord 22.8.2009

Von Drachen und wilden Gänsen

Die Konzertreihe „Songs & Whispers“ nimmt diesmal Neu-Bremerin Susanne Stanglow alias Haruko mit auf die Reise. Deren Debüt-Album macht aus guten Gründen von sich reden

von Andreas Schnell

„Close your eyes and take my hand“ – mit diesen Worten beginnt das Debüt-Album „Wildgeese“ von Haruko. Und: „Follow me to a place where night has no end.“ Und was ist eigentlich davon zu halten, wenn eine junge Frau mit dem Künstlernamen „Haruko“, was übersetzt „Frühlingskind“ heißt, sich mit einer akustischen Gitarre auf die Bühne setzt und Lieder singt, in denen regelmäßig Drachen und Monster vorkommen?

Es macht eben gerade diese entwaffnende Offenheit die Kunst der gerade mal 20-jährigen Susanne Stanglow aus, die sich hinter dem Pseudonym Haruko verbirgt und seit Mai diesen Jahres in Bremen lebt. Aber es ist nicht nur das. Das andere, was „Wild Geese“ zu einem der interessantesten Alben aus Bremen der letzten Jahre macht, wenn nicht gleich zu einem der schönsten neuen Folk-Alben überhaupt, ist, wie sie mit unaufdringlicher Intensität ihre minimalistisch arrangierten Lieder vorträgt. Zum einen verfügt sie über eine Stimme, die ein Blogger lyrisch, aber durchaus treffend als „klar wie Wasser und sanft und stark zugleich wie Frühlingssonnenstrahlen“ beschreibt. Zum anderen erzeugt Stanglows vordergründig schlichte Phrasierung eine reizvolle Spannung, wenn sie die Zeilenenden über die Harmoniewechsel hinaus dehnt oder die Gesangseinsätze über den geradezu klassischen Pickings herauszögert. Zu hören gab es das in den vergangenen eineinhalb Jahren in Bremen schon einige Male, zuletzt auf der Breminale. Ihr Debüt als Solo-Künstlerin feierte Haruko im vergangenen Spätherbst auf dem „Folk-artNow!“-Festival in der Spedition, das neue Zugänge zur Folklore untersucht.

Dabei ist Haruko im Grunde kein New-, Weird-, Anti- oder Freak-Folk. Zwar mag sich ihr minimalistisch arrangierter Folk von Künstlern wie Bonnie „Prince“ Billy alias Will Oldham oder Joanna Newsom herleiten. Ihre Musik wurzelt aber mindestens ebenso stark auf den Klassikern des ersten Folk-Revivals der Sechziger wie „Fairport Convention“. Seit ein paar Monaten gibt es nun das eingangs erwähnte Debüt-Album zu erwerben – das heißt: Vielleicht bei Erscheinen dieses Artikels auch schon nicht mehr, denn die erste Auflage von „Wild Geese“ ist schon wenige Monate nach Veröffentlichung so gut wie ausverkauft.

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