Heute bei Motor.fm gehört und daran gedacht


… wie wir uns damals kennen gelernt haben, ich uns Superpunk:

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Auf ein Wort, Herr Fabrikant!

„Superpunk“ sollten „Wunder“ heißen, denn sie machen deutsche Texte ohne Parolen – und meistens sogar Spaß

Sie kommen zwar aus Hamburg, wo die ganzen Typen mit den Trainings-Jacken und Toco-tronic-Frisuren herkommen und mit schlaumeierischen, deutschen Texten die Journaille in Verzückung versetzen, und zum Teil spielen die Mitglieder von „Superpunk“ sogar mit diesen Leuten in Bands zusammen, wenn sie nicht Tom Jones für den Playboy interviewen, aber sie sind trotzdem gut. Das hat nur zum Teil mit ihrer bollerigen Soul-Musik, gespielt mit der Energie von Punk, zu tun, die mit scheppernden Orgeln und schmissigen Singalong-Refrains daher kommt.

Es sind auch die Texte, in denen Superpunk ganz locker mal eben neue Maßstäbe setzen. „Ich hab keinen Hass auf die Reichen, ich möchte ihnen nur ein bisschen gleichen“, bremsen sie behend moralinsaure Bedenken gegen Wohlhabende aus, die wir bis zum Erbrechen um die Ohren gehauen bekommen (haben), weil Geld ja angeblich nicht alles und Materialismus pfui sei. Ältere mögen sich an Dexys Midnight Runners erinnert fühlen, bei denen ein ähnliches musikalisches Erbe mit der Energie des Punk souverän vereinnahmt wurde. Superpunk sind zwar nicht die „young soul rebels“, die Kevin Rowland seinerzeit suchte, denn dafür sind sie bestimmt schon zu alt, andererseits haben sich in der Zwischenzeit auch keine Kollegen auf den Posten beworben. Superpunk haben nun mit ihrem zweiten Album „Wasser Marsch!“ (Lage d’Or/Zomba) nachdrücklich bewiesen, dass es einen deutschen Song abseits von „Diskurs“ und Parole gibt.

Titel wie „Lehn dich an mich“, „Mein zweiter Name ist Ärger“ oder „Man kann einen ehrlichen Mann nicht auf seine Knie zwingen“ haben die Prägnanz anglophoner Klassiker, ohne nach einer Übersetzung nach Wörterbuch zu klingen. „Bratwurstigkeit“, „Auf ein Wort Herr Fabrikant“ und „Rock’n’Roll will never dead“ nähren gar die Hoffnung, dass Superpunk darüber hinaus in Kürze ein neues, ganz eigenes Idiom zu erschaffen imstande sind.

Und sie haben vor allem kapiert, dass Spaß ohne ironische Distanz meist erst ein wahrer ist. Andreas Schnell

(aus der taz vom 30.3.2001)