Was macht eigentlich…


Christian Przygodda alias Hausmeister? Vor fünf Jahren schrieb ich in der taz über ihn Folgendes:

„Schau her!“

Ex-Hausmeister Christian Przygodda malt Schauburg-Plakate und macht Platten, die als „Hausmeister-Alben“ guten Absatz finden

bremen taz Es fängt an, sanft elektronisch zuppelnd, als hätte sich nicht einiges getan beim Hausmeister. Aber das hat sich bald erledigt. Nicht nur, dass Christian Przygodda, der vor seinem Leben als Hausmeister in Bands wie Die Auch, 12 Kappen Wasser und währenddessen bei Go Plus spielte, jetzt ungehemmt in Pop-Songwriting macht. „Look At Me Now“, immerhin schon das fünfte Hausmeister-Album (nach drei Alben bei dem gut beleumundeten Kölner Label Karaoke Kalk und einem weiteren bei Esel Records aus Bremen), erscheint auch auf dem neuen Bremer Label Sopot Records.

„Look At Me Now“ ist erklärtermaßen ein biografisches Album, der Titelsong ein Blick auf seine Generation, „die in einer stabilen Situation aufgewachsen ist. Diese Sozialisierung, die wir erlebt haben, ist definitiv Vergangenheit. Wenn ich mich mit heute 25-Jährigen unterhalte, merke ich, dass ich aus einer anderen Zeit komme.“ Talking ‚bout my generation … Interessant in diesem Zusammenhang: „Es bewegt sich doch“ zitiert im Text die Band Yes mit ihrem Achtziger-Hit „Owner Of A Lonely Heart“. Und man braucht nur weiter zu hören, um sich vorstellen zu können, dass da einer sozusagen seine Genesis-Platten noch alle im Schrank hat, natürlich nur die, auf denen Phil Collins das Maul noch verboten war.

„Artrock war in meiner Jugend durchaus wichtig“, gesteht Przygodda. „Wenn ich das heute höre, geht das aber eher in eine analytische Richtung. Als ich die Platte gemacht habe, hab‘ ich das auseinander genommen und versucht herauszufinden, was ich damals so geil daran fand. Mittlerweile fühle ich eher musikalischen Visionen nach, die aus mir kommen, die ich auch nicht mehr ohne weiteres benennen kann.“ So sei ihm auch der Albumtitel selbst unklar. Sein neunjähriger Sohn und „Cover-Modell“ Lukas spricht die Zeile, die mit der ungelenken Siegerpose des Covers korrespondiert, mit dem irreführenden Englisch. Und durchaus ist es auch Statement: „Schau her!“ Weil sich vieles verändert hat. Als Resultat konstanter Arbeit: „Eigentlich war das Ungewöhnliche eher, dass ich vier Jahre nicht gesungen habe. Ich hatte offensichtlich nichts zu sagen.“

Was ihm auch beim Malen so ging. Nach wie vor malt er die Kinoplakate, mit denen die Schauburg für ihr Programm wirbt. Inzwischen allerdings keine Auftragsportraits mehr. „Neulich wollte eine Frau ihr Kind dreimal nach derselben Vorlage gemalt haben, das war mir zu viel“, lacht Christian Przygodda. „Aber ich habe wieder angefangen, für mich selbst zu malen. Das Cover von ,Look At Me Now‘ ist auch aus der letzten Zeit.“ Immer wieder gerät so eine Entwicklung an den Punkt, wo sich die oft zufälligen Veränderungen nach außen manifestieren. Weil sich Go Plus aufgelöst haben, bei denen Przygodda Bass spielte, wurde der „Rest“ zur neuen „Hausmeister“-Band. Im nächsten Jahr soll Hausmeister auch erstmals auf die Bühne. „Das ist eigentlich ein Albtraum. Einerseits ist es erfüllend, andererseits finde ich die Erwartungshaltung grässlich. Dass man jemand zu sein hat. Dass man es bringen muss. Damit versuche ich mich irgendwie zu arrangieren.“

Mit viel Zeit. Wenn man 38 ist, muss man nicht mehr alle Spiele mitspielen. Dafür weiß Przygodda zu genau, was er will. Und weil er die Dinge nach seinen Regeln tun will, lässt er sich auf keine Kompromisse ein. Als Karaoke Kalk sich wegen der deutschen Texte nicht entscheiden konnten, „Look At Me Now“ zu veröffentlichen, beschloss Przygodda, die Platte als erste Veröffentlichung des neuen Bremer Labels Sopot Records herauszubringen. Karaoke Kalk wird sich möglicherweise noch ärgern, dieses warme Album voller schöner Momente nicht doch gemacht zu haben.

Aber das ist Christian Przygodda wahrscheinlich auch egal.

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