Vor zehn Jahren (BREMER 12/2000)


GODSPEED YOU BLACK EMPEROR

Lift Yr. Skinny Fists Like Antennas To Heaven!

KRANKY/HAUSMUSIK

SIGUR RÓS

Ágætis Byrjun

FAT CAT RECORDS

Über diese Band schreiben sich derzeit unzählige Schreiberlinge die Finger wund. Es wird hinein interpretiert, dass es nur so kracht. Wo doch schon sonst nichts kracht, bei diesen Bands, sprich: alles anscheinend Wohlklang bis zum Abwinken ist, und deshalb nicht ganz unpassend auf Artrock, Marke frühe Siebziger verwiesen wird.

GYBE sind dabei auf jeden Fall die bessere Band. Zwar wirken auch sie vordergründig über Majestät und Erhabenheit. Selten verirrt sich mal ein Bröckchen Krach in die ausladenden Kompositionen, die allerdings, wesentlich unterschieden vom erwähnten Artrock, keinen gesteigerten Wert auf Virtuosität legen.

Im Unterschied zu ihren isländischen Kollegen von Sigur Rós erschöpft sich ihre Musik jedoch nicht im Schönklang, der bei letzteren noch mit einem Gesang überzogen wird, der – unfreiwillig oder nicht – ins Esoterische reicht. GYBE bevorzugen dunkle Farben, wuchtige Passagen, und ihre Musik ist bei aller Schönheit nicht glattpoliert. Der Pathos findet hier eine durchaus ansprechende Form, wo Sigur Rós vor lauter Ergriffenheit über ihr Tun schwer in Verzückung geraten und gar nicht mehr aus ihrem Paralleluniversum heraus wollen. Je nach Geschmackslage mag man sich dem anschließen. Oder man mag vielleicht lieber doch ganz diesseitig mit GYBE die Fäuste recken. (Es geht die Rede, bei denen handele es sich um Leute mit ausgeprägtem Drang zur Revolte.) Bei aller stilistischen Nähe sind die Unterschiede beträchtlich.