Martin Büsser ist tot


Große Scheiße – viel mehr kann ich da auch nicht sagen. Ich weiß nicht mehr, wieviel schöne Musik ich durch den Mann kennen gelernt habe. Und nicht selten habe ich mich auch mal geärgert, über Sachen, die er schrieb. Aber man konnte auch hervorragend mit ihm streiten, zu Rotwein und Zigaretten. Hätte man vielleicht öfter machen sollen… Nicht nur deswegen: zu früh. Viel zu früh.

Idaho „The Lone Gunman“ (aus INTRO # 135)


Der flache Einstieg: Kommt Jeff Martin zum Psychiater. Sagt der: „Sie leiden also unter Schwermut.“ Antwortet Martin: „Wie kommen Sie denn darauf? Ich genieße sie!“

In anderen Worten: Kaum zu fassen, wie dieser Melancholiker vor dem Herrn immer wieder solche Seufzer von Songs in den Abendhimmel entlässt, alter Schwerenöter der… Inzwischen scheint er auch allein in Idaho zu sein, was aber seine Laune nicht wesentlich verschlechtert hat. Wobei ja eben ohnehin von schlechter Laune bei Idaho nicht ausgegangen werden sollte. Immer ist es das zwar schmerzliche, aber doch stets schwelgerische Auskosten unerfüllter Sehnsüchte. Und diesmal erlaubt er sich sogar ein schelmisches „You Flew“, wo die Basslinie von einer Tuba, gespielt vom einzigen Gastmusiker dieses Albums, in Quintschritten ausgeführt wird. Auch sonst erschließen sich Idaho immer wieder neue Facetten des Melancholischen. Die einst prägenden singenden Feedback-Schlieren sind auf „The Lone Gunman“ zurückgetreten, wirken eher hintergründig, wenn sie aber nach vorn kommen, wie in „Where The Canyon Meets The Stars“, dann kommen sie gewaltig. Verstärkt spielt Martin Klavier, wirft auch mal eine Beatbox und den Computer an, ganz dezent. Und dann ist da natürlich immer noch diese Stimme, reif, brüchig, dunkel. Es wird (mal wieder) Zeit, Idaho zu entdecken.

Was macht eigentlich Gary Floyd?


BLACK KALI MA

„You Ride The Pony (I’ll Be Your Bunny)“

Mit Platten von Gary Floyd, zumindest denen, die er nach den Dicks gemacht hat, und erst recht denen nach Sister Double Happiness ist das ja so eine Sache, weil der Rock, den seine jeweilige Band spielte, stets eine ausgeprägte Tendenz zur Unspektakularität zu haben pflegte, oft eine geradezu gefährliche Nähe zu verschnarchtem Bluesrock aufwies, dass Leuten, die sich was auf ihren Punkrock-Geschmack einbilden, so gar nicht aufgehen will, was daran Besonderes sein könnte. Und sie bemerken nicht die Momente ergreifender Schönheit, die auch hier, auf der ersten Platte von Floyds neuer Band zu finden sind. Zugegeben: Diese Momente sind meist rar gesät. Wenn Floyd aber beispielsweise auf seinem ’96er-Album ‚In A Dark Room‘singt: „I moved in line with your rejected ones…”, dann hat das so dermaßen Soul, dann ist das ein völlig ausreichender Grund, sich auch durch ‚You Ride The Pony (…)‘ zu kämpfen, um diese raren Momente zu suchen. Diesmal sind sie ganz sicher in ‚Wonderful‘ aufgehoben, in der Bridge von ‚Remain Awesome‘ und vielleicht in ‚Price We Pay‘. Und wahrscheinlich werden auch diesmal lediglich eine kleine Schar Gesalbter und Biafra wissen, warum sie einer Platte Gehör schenken sollten, die ganz ohne jede Ironie Kali gewidmet ist.

(aus INTRO # 73)