Weicheier und Poseure bleiben draußen – Manowar in Bremen (taz bremen, 28.5.98)


Mit Pomp und Hallelujah kündigen sich Manowar an. Theaterdonner, Lichterflut und ein Bratackord. Vier Männer mit langen Haaren, Muskeln und Musikinstrumenten bewehrt betraten die Bühne und wurden von einem Meer gereckter Arme begrüßt, die sich zum traditionellen Manowar-Gruß, Hand umschließt Handgelenk, zusammengetan hatten. Dann spielten sie sich opernhaft durch ihr in mehr als 15 Jahren erarbeitetes Repertoire, so opernhaft, daß es gar eine Pause gab, in der sich die Metalbrüder und -schwestern die alten Kutten präsentierten, Mensch, wir ham uns ja lange nicht gesehen, für die orthodoxe Metalgemeinde gibt es in Zeiten wie diesen nur selten echte gesellschaftliche Anlässe. Dementsprechend positiv wurden die Darbietungen der Metallkönige aufgenommen, gleichwohl sie durchaus zu wünschen übrig ließen. So war die Choreographie letztlich doch nicht mehr als eine ganz normal aufgeblasene Rock’n’Roll-Show, weil Manowar sowohl die Harleys, als auch die Bärenfelle und die Hosen mit den freiliegenden Arschbacken zuhause (oder irgendwo anders) gelassen hatten. Auch waren die Schwierigkeiten des Eric Adams bei der Bewältigung seiner Partitur trotz der umfangreichen Verwendung von Effekten kaum zu überhören. Aber die von Manowar zu Brüdern und Schwestern geschlagenen fühlten sich anscheinend gebauchpinselt genug, als daß sie sich noch mit solchen Kleinigkeiten beschäftigen wollten. Schließlich wurden sie auch noch mit der intelligenten Ankündigung zur Begeisterung animiert, die Band nehme hier und heute Abend ihre neue Live-Platte auf. Als nach der Pause die neueren Stücke gespielt wurden, gewann die Geschichte ein wenig an Schwung, Tenor Adams war sichtlich gut gelaunt, stolzierte, Arien von Blut und Ehre intonierend über die Bühne und konnte sich trotz der ernsten Sujets das Grinsen nicht verkneifen, was ein Zuschauer mit einem Guildo Horn-Vergleich quittierte, auch wenn Eric Adams sein enges Ledermieder, das die Brustwarzen züchtig bedeckte, über die ganze Spielzeit anbehielt und sowieso noch ein paar mehr Haare als Horn auf dem Kopf hat. Aber er hatte mitsamt seinen Königskollegen schon alle sehr lieb. Die Hymnen auf das deutsche Publikum folgten denn auch in extenso und gipfelten vorläufig im auf Deutschgesungenen Lied mit dem Titel’Herz aus Stahl‘. Aber es kam dann noch besser: Später zog Joey de Maio, fingerflitzender Bassist, einen Metalbruder aus der Menge, der dann mit Manowar zusammen reellen Metal spielen sollte. Ein Sepp aus Lemwerder war der Glückliche, dem vorexerziert wurde, wie denn so ein echter Metalbruder agiert. Erst Bier auf die echte Metalart aus armlanger Distanz in den Mund kippen, dann wurde eine Maid aus dem Publikum nach oben gebeten, die sich zu Sepps Inspiration das Oberteil entfernte und dann, dann durfte Sepp auf de Maios Bass („Du bist der erste, der jemals außer mir auf diesem Bass spielen darf.“) spielen. Spätestens da wurde klar, daß Manowar auf ihrem Publikum virtuos zu spielen verstehen, virtuoser vielleicht als auf ihren Instrumenten. Ihre Schweinigeleien, ihr dickst aufgetragenes Kriegergehabe, die Tiraden gegen alternative Musik und falschen Metal, das mag zwar von ihren Fans für bar genommen werden, aber zumindest so schlau scheinen Manowar zu sein, daß sie immer wieder schauen, wie weit sie gehen können, und sich dabei königlich amüsieren. Alle Kritik von aufgeklärten Bürgern geht ihnen dabei offenbar ziemlich vorbei am schlimmen Hintern. Ein derber Spaß für Leute, denen Highlander zu nachdenklich war.

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