„Verdauung einer Kuh ist unberechenbar“ (taz bremen, 6.7.1999)


Elsa, Elba und Elvira düngten die C24 / Im Klartext: Beim ersten Bremer Kuh-Roulette schissen die Rindviecher einfach in die entfernteste Ecke / Und weil sie dabei nicht richtig zielen wollten, untersagte das Stadtamt auch noch die offizielle Spielerlaubnis

Altes Bauernspiel: eine Weide abstecken, in Planquadrate einteilen, Lose zu den Quadraten ausgeben und eine oder mehrere Kühe auf die Weide schicken. Irgendwann geschieht, was geschehen muß. Das ist der real shit, im Unterschied zum Kuhfladen beim Kuh-fladenweitwurf, den es am Sonntag beim Café Sand auch noch gab, wo der Naturschutzbund NABU das erste Kuh-Roulette in Bremen veranstaltete.

Der junge Mann mit Zylinder, der die Party moderierte, sagte noch, die Verdauung einer Kuh sei unberechenbar und könne ganz schön dauern. Aber Elsa, Elma und Elvira, die drei Murnau-Felsentaler vom Biohof ließen sich nicht lange bitten. Bei der ersten Runde, der Begriff Ziehung wurde nur mit Ausrufungszeichen angefaßt, war die Sache nach einer halben Stunde klar, bei der zweiten sogar noch schneller.

Dabei wußten die Kühe nicht so recht, was von diesem Spiel zu halten war. Nachdem sie eine Weile hintereinander hergetrottet waren, um einen Weg hinaus zu finden, verdrückten sie sich in die der Menschentraube entfernteste Ecke und machten hin. Dumm gelaufen für die, die ein Los mit einem Buchstaben aus dem hinteren Teil des Alphabets und einer eher niedrigen Zahl gezogen hatten.

Wenigstens kosteten die Lose nichts. Das Stadtamt hatte bemängelt, es sei ja möglich, daß die Kuh ihren Fladen nicht genau auf ein Feld setzt. Der NABU versprach, es würden auch die anliegenden Felder gewertet, aber das Stadtamt ließ sich nicht erweichen. Die anliegenden Felder wurden trotzdem gewertet, weshalb es pro Gang einen Hauptpreis und acht Trostpreise gab, und die Lose kosteten so wenig, wie die Milch aus den Eutern der Kuhattrappen, nämlich nichts. Dabei hätte der NABU das Geld gut gebrauchen können. Unter anderem für die Kampagne gegen die Bebauung des Stadtwerders mit Villen. Muß eben der gute Wille die Leut‘ zum Spenden bringen oder zum Eintritt in den NABU bewegen.

Kartoffelkönig Gernot der Blaue verteilte jedenfalls Präsentkörbe mit sortenreinen Apfelsäften, Biowein und anderen Dingen als Gewinne, unter einer großen blauen Pappmaché-Kartoffel schwitzend. Schließlich war es mal wieder der heißeste Tag des Jahres, oder so, das Günter Späth Quartett spielte Jazz und über die Juliushöhe wehte der Geruch von frischer Kuhscheiße und Vollkornkuchen, und siehe, es war gut.

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