Glamjazz mit dem Blick von Außenstehenden (taz bremen, 20.8.1998)


Mecolodiacs und Kool Ade Acid Test verwalten das Erbe des Universal Congress Of

Universal Congress Of verblüfften in den Achtzigern die Welt mit einer Musik, die für Jazzer zu laut und für Punkrocker zu schräg war. Beim kalifornischen SST-Label fanden sie eine Heimat und wurden mit Bands wie Minutemen, Black Flag und Hüsker Dü zu Wegbereitern einer experimentierfreudigen Hardcore-Generation. Vor ein paar Jahren tanzte der UCO seinen letzten Walzer. Die Erbmasse verteilte sich auf zwei Bands, die das Erbe verwalten. Kool Ade Acid Test sind das Kind von Steve Gaeta, dem letzten UCO-Bassisten und dem UCO-Saxophonisten Steve Moss. Ur-Bassist Rafa Gorodetzky und UCO-Kopf und Gitarrist Joe Baiza sind die Mecolodiacs. Seit Mitte August sind beide Bands zusammen auf Tournee. Zum Auftakt in Köln sprachen wir mit Joe Baiza, der sich schon auf die Wochen mit den alten Freunden freute. „Nachdem ich Universal Congress Of verlassen hatte, gründete ich mit Rafa die Mecolodiacs. Unser erster Schlagzeuger stieg wieder aus und wir spielten eine Menge Shows mit zahllosen Schlagzeugern. Mit einem hatten wir nicht einmal geprobt. Wir hatten ihm ein Band geschickt, und er sagte, das ginge schon in Ordnung. Bei der Show merkten wir, daß er die Stücke gar nicht konnte, und wir mußten ihm immer Zeichen geben, wenn die Wechsel kamen. Das war eine ziemliche Herausforderung (lacht). Wir machten eine Pause mit der Band und fingen erst kürzlich wieder zu spielen an.“ Die neue, zweite Mecolodiacs-Platte, ist gerade erschienen und heißt „Glamjazz“. Auf ihr befinden sich 21 Stücke, in denen sich das Trio mit dem Blick von Außenstehenden jazziger Ausdrucksmittel bedient und auch Kompositionen unter anderem von Ornette Coleman und James Blood Ulmer covert. „Ich mochte Jazz schon bevor ich Punkrock entdeckte. Besonders Bebop, Charlie Parker und so. Es klang verrückt und hatte viel Energie. Ich hatte die Bücher von Kerouac gelesen und mich gefragt, was dieser Bebop ist, wer diese Typen waren, über die ich in Büchern wie „The Subterraneans“ gelesen hatte. So entdeckte ich Bebop. Aber diese Energie gab es im Jazz nicht mehr. Er war eher konservativ geworden. Diese Energie fand ich in der Punkszene, also warf ich mich hinein, um diese aufregende Erfahrung zu machen.“ Gitarre spielte Joe Baiza da noch nicht. „Ich wollte eigentlich kein Musiker, sondern Künstler werden. Aber schließlich traf ich Jack Brewer (mit dem Baiza später die aberwitzigen Saccharine Trust betrieb), der mich bat, ihm bei einer Band auszuhelfen. Ich sagte, okay, aber nur als kleines Experiment. Ich sagte mir immer, ich würde das nicht lange machen. Ich konnte keine Noten, keine Akkorde, sondern machte nur Geräusche. Ich fing von einem künstlerischen Standpunkt aus an, Gitarre zu spielen. Ich wollte die Musik zerstören. Schließlich spielte ich immer weiter.“ Seit Baiza mit 27 Jahren das erste Mal eine Gitarre spielte, ist eine Menge Zeit vergangen und der Mann schon virtuos zu nennen. „Ich bin wie ein Kind, das Farbe auf das Papier schmiert und sich später überlegt, wo es eine Linie, ein Gesicht malen könnte. Das ist ein vitales Element von Musik. Wenn etwas zu ausgedacht oder zu kontrolliert klingt, dann tendiert es dazu, mich zu langweilen.“

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