Aktuelle Lieblingsplatten in loser Folge, 5


SWEET APPLE – ‚Love & Desperation‘
Um eine lange Geschichte kurz zu machen: J Mascis rettete ein Leben mit dieser Band, indem er John Petkovic so aus einer existenziellen Krise half. Die Beteiligten sind neben Mascis und Petkovic, den manche von Guided By Voices kennen könnten, Dave Sweetapple, mit dem Mascis auch bei Witch musiziert, sowie Tim Parnin, der wiederum mit Petkovic bei Cobra Verde aktiv war. Gestandene Herren also, die hier nicht völlig überraschend solide und mit maßvoller Härte rocken, irgendwo zwischen den Leaving Trains, Thin Lizzy und Black Sabbath, zwischendurch streuen sie ein paar ruhigere Songs ein. Unverkennbar natürlich: Mascis‘ Gitarre, aber auch das Schlagzeugspiel trägt seine Handschrift. Und singen tut er natürlich zwischendurch auch, aber das wirklich nur assistierend zu Petkovic‘ leicht nasalem, coolem Rock-Crooning, das die lebensgegerbte Lyrik angemessen trägt. Das liest sich nun etwas unspektakulär und ist es wohl nüchtern betrachtet auch. Allerdings muss man derlei Dinge nun auch nicht immer nüchtern betrachten. Und das soll nicht heißen, dass man sich das hier schöntrinken müsste. Vielmehr sei Folgendes empfohlen: Nehmt das Ding mit auf eure nächste Autofahrt, macht das Fenster auf, zündet euch eine Zigarette an. Hab ich in den letzten Wochen vergleichsweise regelmäßig gemacht. Taugt. Sehr.

Tee Pee Records/Cargo

Aktuelle Lieblingsplatten in loser Folge, 4


MIKE PATTON – ‚Mondo Cane‘
Die große Kelle hat Meister Patton ausgepackt, um mit Orchesterverstärkung und in italienischer Zunge die alten Meister zu würdigen. Das Konzept an sich mag nach tongue in cheek riechen, der Hintersinn, der Patton eher oft als selten aus dem Nacken stiebitzt, wo er neben dem Schalk Dauermieter ist, hat hier aber wenig zu tun. Denn Theatralik, das ist ohnehin die Domäne dieser Musik, die, oberflächlich betrachtet, mit Schlager zwar einiges gemein, mit dessen Gegenwart allerdings nichts zu tun hat. Die Komponisten heißen Morricone, Kämpfert, Pauli, Tenco, Bongusto, die Songs sind unsereins nicht geläufig, lassen sich aber auch nicht hinter den durchaus zu erwartende Pattonismen suchen, sondern werden sorgfältig, üppig und liebevoll serviert. Toll!
Ipecac/Soulfood