Aktuelle Lieblingsschallplatten in loser Folge, 2


TAMIKREST – ‚Adagh‘

Unglaublich schöne Musik – Wüsten-Rock, so könnte man witzeln, träfe dabei aber kaum den eigenen Ton dieser Band aus dem nördlichsten Eck von Mali, an der Grenze zu Algerien, die Chris Eckman von den Walkabouts für uns „entdeckte“. Tamikrest sind Tuareg, sie leben in der Sahara. Die vergleichsweise kurze Geschichte der dortigen Rockmusik, den maßgeblichen Einfluss von Tinariwen hier nachzuzeichnen, ist nicht der Ort. So viel sei gesagt: Traditionelle Musik und eine fast schon zufällige Auswahl westlicher Populärmusik von Bob Marley bis zu den Dire Straits sind das Futter, das Tamikrest begierig aufsogen und zu etwas durchaus eigenem verarbeiteten, das durchaus mit möglicherweise romantisierenden Vorstellungen von Wüste verträglich wäre. Die Songs sind lang, die Melodik entschieden afrikanisch, den Gitarren wohnt aber etwas Schweres inne, das zum Teil von Reggae kommen dürfte, aber auch von psychedelischem Rock (keine Angst, die Dire Straits klingen nicht durch). Die Weite der Sahara scheint hier ihren Ausdruck gefunden zu haben, eine gewisse Trauer, die auch mit dem nahenden Ende einer Lebensweise zu tun hat, mit materieller Not und der Gegenwart von Gewalt. Das heißt aber natürlich nicht, dass Tamikrest unser Mitleid oder einen Exotenbonus benötigten. Dafür sind sie einfach so viel zu gut.

Glitterhouse

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